DAGMAR BRUNNER
Die Geschäftsleiterinnen der Kultkino AG, Suzanne Schweizer und Romy Gysin, erhalten den PriCülTür 2010 der ProgrammZeitung. 2004 war ein Spitzenjahr für die Basler Kinos, auch für die Kultkinos, die im Jahr davor mit viel Elan ihre neuen Säle in der Theaterpassage eingeweiht hatten. Doch danach musste sich die Branche auf schwindende Publikumszahlen einstellen, und für die Kultkino AG begann eine lange Durststrecke, deren Ende noch nicht abzusehen ist; 2009 war gar das schlechteste Jahr in ihrer 32-jährigen Existenz. Die Gründe dafür sind vielschichtig (s. ProgrammZeitung 1/08) und die Massnahmen dagegen vielfältig (→ S. 7).
Komplex ist auch die Geschichte dieses kleinen, feinen Kinounternehmens, das seine Wurzeln im ältesten Filmclub der Schweiz, ‹Le Bon Film›, hat, lange Zeit unter dem Namen Studiokino AG firmierte und zwei (relativ) grosse Säle bespielte. Einen Grossteil dieser Geschichte haben zwei unermüdlich engagierte Frauen miterlebt und mitgestaltet, die auf Umwegen zur Kultur bzw. ins Kinogeschäft gekommen sind: Suzanne Schweizer und Romy Gysin.
Impulse für Hirn und Herz. Seit nunmehr 20 Jahren arbeiten sie zusammen im selben Büro im Kleinbasel, bilden die Geschäftsleitung der Kultkino AG, die aus drei weiteren Mitarbeitenden in der Verwaltung sowie 42 Teilzeitangestellten und Aushilfen besteht. Einen «hochspannenden Allrounder-Job» nennt es die gelernte Sozialarbeiterin Suzanne Schweizer. Und auch die ausgebildete Juristin Romy Gysin findet ihre Aufgabe nach wie vor «vielseitig und interessant». Beide Frauen reisen gerne, haben ein Faible für unterschiedliche Menschen und Kulturen, für Zeit- und Lebensfragen. Und lieben natürlich Kino, aber ein Kino, das nachwirkt, das vielschichtig, geistreich, sinnlich und unterhaltsam Geschichten erzählt, das aufwühlt und zu Auseinandersetzungen anregt. Impulse für Hirn und Herz möchten sie geben, ‹Brainstream statt Mainstream› und ‹Kunstsinn statt Stumpfsinn› fördern, wie ihre Werbung verrät.
Dafür setzen die zwei Frauen mit ihrem Team alles in Bewegung: rund 200 Filme bzw. 10’000 Vorstellungen zeigen sie jährlich in den nunmehr sechs Sälen. Es sind Filme aus aller Welt, wobei die europäischen klar überwiegen und die Schweizer besonders beliebt sind. So führt etwa ‹Giulias Verschwinden› die Hitliste 2009 an, gefolgt von ‹Slumdog Millionaire›. Die Angebote der Kultkinos wurden kontinuierlich erweitert (s. Website) und der Betrieb hat sich vielseitig vernetzt. Doch um ihren Marktanteil von 24% auf dem Platz Basel halten oder noch besser steigern zu können, werden weitereAnstrengungen nötig sein. Der «grosse Einsatz und die Flexibilität», die der Verwaltungsrat im Jahresbericht 2009 verdankt, sind auch in Zukunft gefragt. Mit dem PriCülTür 2010 an Suzanne Schweizer und Romy Gysin würdigt die ProgrammZeitung ihr Wirken für eine gehaltvolle Filmkultur und eine lebendige Kulturstadt Basel.
Kulturpreis-Feier PriCülTür: Fr 24.9., ab 18h, Unternehmen Mitte, 1. Stock
(Heft September 2010, S. 6)




