ALFRED ZILTENER
Zu Ehren von W.F. Bach veranstaltet die Basler Szene für Alte Musik eine gemeinsame Konzertreihe. Wilhelm Friedemann Bach? Der älteste (und möglicherweise begabteste) der komponierenden Bach-Söhne ist auch der am wenigsten bekannte. In Basel soll sich das nun ändern. Zum 300. Geburtstag des Komponisten – er kam am 22. Dezember 1710 in Weimar zur Welt – werden in neun Konzerten von September bis Januar zahlreiche seiner Werke aufgeführt. Initiant der Reihe ist Hans-Georg Hofmann vom künstlerischen Management des Kammerorchester Basel (KOB).
Wilhelm Friedemanns Oeuvre ist relativ schmal, es umfasst Orchesterwerke, Solokonzerte, Kammermusik und viele Orgelwerke – schliesslich war Bach junior vor allem als Organist berühmt. Hinzu kommen etliche Kantaten, die teilweise erst vor wenigen Jahren im Archiv der Berliner Singakademie wiederentdeckt wurden. Hofmann hält es durchaus für möglich, dass hier noch mehr Musik des vielfach unterschätzten Komponisten gefunden wird.Zwar sei bei ihm der Einfluss des Vaters deutlicher spürbar als bei seinen Brüdern, vor allem in der Polyphonie, doch sei er ebenso experimentierfreudig gewesen wie sie. Seine Musik stehe zwischen dem Barockund der Empfindsamkeit.
Dass der Lieblingssohn Johann Sebastians kein einfacher Charakter war, verraten biografische Aspekte. So wechselte er auffallend häufig die Stelle und musste sich schliesslich – höchst ungewöhnlich in jener Zeit – als freiberuflicher Musiker durchschlagen. Er starb verarmt und verbittert 1784 in Berlin.
Erstes Kooperationsprojekt. Getragen wird die Hommage an den Komponisten von der Schola Cantorum Basiliensis, den Barockorchestern La Cetra, Capriccio Basel und dem KOB, den Ensembles Musica Fiorita und Musica Poëtica, sowie dem Organisten und Dirigenten Jörg-Andreas Bötticher. Dieser eröffnet die Reihe: Im Rahmen seines Bach-Kantaten-Zyklus in der Predigerkirche wird neben einem Werk des Vaters auch Wilhelm Friedemanns ‹Erzittert und fallet› aufgeführt. Im Oktober werden sodann Kompositionen von Wilhelm Friedemann solchen seines Bruders Carl Philipp Emanuel und seines Lehrers Johann Gottlieb Graun gegenübergestellt.
Erstmals haben sich die wesentlichen Basler Akteure im Bereich der Alten Musik zu einem gemeinsamen Projekt zusammengetan. Musikfreunde erhalten so die willkommene Gelegenheit, sich vertieft mit einem Komponisten zu befassen – für Interessierte wird ein Sonder-Abonnement aufgelegt. Hoffen wir, dass diese Kooperation weitergeführt wird und – wer weiss – endlich in jenes Festival für Alte Musik mündet, für das Basel ideale Voraussetzungen bietet.
Erstes Konzert: So 12.9., 17 h, Predigerkirche, weitere Infos s. Spezialflyer. Vorverkauf: Musik Wyler
(Heft September 2010, S. 10)




