MARTIN ZINGG
Der Verleger Urs Engeler macht weiter: mit einem Internet-Verlag. Letztes Jahr hiess es noch, sein Verlag sei am Ende, werde geschlossen, aus und vorbei. Der Verleger selber, Urs Engeler, formulierte es vorsichtig: Er werde kürzer treten. Auf die Routine von Frühjahrs- und Herbstprogramm werde er künftig verzichten müssen, das sei für ein Ein-Mann-Unternehmen zu viel.
Sein langjähriger Mäzen (der inzwischen verstorben ist) hatte die Folgen der Wirtschaftskrise zu spüren bekommen und musste sein Engagement beenden. Die Suche nach neuer Unterstützung war erfolglos, Engeler musste sich etwas einfallen lassen, um seine Verlagsarbeit fortsetzen zu können. Inzwischen ist sein Verlag vermutlich der beweglichste der Schweiz. Das hat nur am Rande damit zu tun, dass er, der lange Zeit in Kleinhüningen zuhause war (mit einer kleinen Dependance in Weil am Rhein), eine neue Adresse hat: Er hat sich in die ländliche Diskretion von Holderbank zurückgezogen, gleich hinter Langenbruck, auf Solothurner Boden.
Dort arbeitet er, dort ist sein Verlag. Aber anzutreffen ist der Engeler Verlag inzwischen überall und jederzeit – denn geworben und bestellt wird übers Internet. Engeler verlegt mit spürbarer Lust die ‹roughbooks›, eine Reihe von preisgünstig und sorgfältig hergestellten Büchern in einem handlichen Format, schnell und unkompliziert gedruckt, im digitalen Druck statt im Offsetverfahren. Einfache Broschur, kleine Auflage, günstiger Preis. Die Bestellung geht per klassische Post oder per E-mail direkt an den Verleger, und der verschickt die Bücher selber, ohne Umweg über den Buchhandel. Auch das ist ein Grund für die erstaunlich niedrigen Preise. Mit 50 verkauften Exemplaren eines ‹roughbook› hat der Verleger seine Kosten wieder eingespielt, und es gibt gar die Möglichkeit, die Produktion im Abonnement zu beziehen, Buch für Buch.
Perlen und Bestseller. Überraschungen gibt es natürlich auch hier. Etwa der Gedichtband ‹Heisse Fusionen› von Christian Filips, ‹roughbook 005›, mit ‹Gesängen von der Krisis› – die für eine weitere Auflage problemlos verändert, also aktualisiert werden könnten. Preis: CHF 12.50. Und kürzlich ist ein neuer Band von Elke Erb erschienen, ‹Meins›, Gedichte aus den Jahren 2003 bis 2009. In Vorbereitung ist eine Anthologie, in der sich deutschsprachige LyrikerInnen wechselseitig ins Deutsche, in ihre lyrische Sprache übersetzt haben. Eskortiert werden die Bücher durch einen ‹roughblog› im Internet.
Und weiterhin, betont Urs Engeler, seien die gebundenen Bücher aus dem früheren Verlag lieferbar, auch sie werden direkt aus Holderbank verschickt – am häufigsten ‹Sez Ner› von Arno Camenisch, das sich zu einem kleinen Bestseller entwickelt hat. Eben ist von Camenisch ‹Hinter dem Bahnhof› erschienen, als gebundenes Buch, das – anders als die ‹roughen› Werke – auch über den Buchhandel zu beziehen ist. Ein köstliches Buch übrigens, in einem rätoromanisch kontaminierten Deutsch, 96 Seiten, 25 Franken! Beim Verleger und in jeder guten Buchhandlung feil.
http://www.engeler.de; http://www.roughbooks.ch; http://www.zdz-online.com; http://www.engeler-verlag.com
(Heft Oktober 2010, S. 15)




