ANA VUJIC
Die Pro Helvetia fördert Schweizer Gamedesign. Immer grössere Teile unserer Gesellschaft erfreuen sich an Computerspielen, immer mehr SpielentwicklerInnen erschaffen digitale Welten mit innovativen Ästhetiken. Computerspiele sind dabei nicht nur in Form von eintönigen Actionspielen erlebbar, sondern haben sich mit ihrer rasanten dreissigjährigen Entwicklungsgeschichte als vielfältiges Genre etabliert. Nach Pius Knüsel, dem Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia, handelt es sich bei Computerspielen um eine lebendige Kunstform, bei der Film, Animation, Kunst und Design zusammenfliessen.
Mit dem Projekt ‹Game Culture – vom Spiel zur Kunst› thematisiert Pro Helvetia das Massenmedium Computerspiel in seiner Komplexität und seinem gestalterischen Reichtum. Die Kulturstiftung wird bis 2012 mit gezielten Werkbeiträgen aufstrebenden einheimischen Spielentwicklern Anreize geben, kreative Spielkonzepte zu visualisieren. Das Programm ist mit 1,5 Millionen Franken ausgestattet und befragt in drei verschiedenen Ausstellungen sowie diversen Podien und Konferenzen die soziokulturelle Bedeutung von Computerspielen.
Zum Auftakt des Projekts startet Pro Helvetia in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Kultur, dem Animationsfilmfestival Fantoche und der Suisa-Stiftung Mitte November die Ausschreibung ‹Call for Projects: Swiss Games›. Laut Knüsel gelten interaktive Games als beitragswürdig, die auf den Ebenen des Gameplays, der Narration, der Bildästhetik, der Musik und der Technik zukunftsweisend und einem künstlerischen Anspruch verpflichtet sind. Mit diesem Förderprogramm nimmt die Schweiz neben Ländern wie Deutschland und England zwar keine Vorreiterrolle ein, sie lässt jedoch Schweizer Gamedesigner auf dem internationalen Markt der Independent-Games-Bewegung mitspielen.
Im Rahmen von ‹Game Culture› hat übrigens das Stapferhaus in Lenzburg in Kooperation mit Pro Helvetia eine neue Ausstellung erarbeitet, die den rasanten Medienwandel durch Computer, Handy und Internet thematisiert. ‹Home› gibt Einblick in Lebenswelten von Usern, hinterfragt Online-Netzwerke und gesellschaftliche Veränderungen, zeigt Probleme und Chancen der Digitalisierung auf und lädt so sinnlich wie informativ zum Experimentieren und Debattieren ein.
Ausstellung: ‹Home. Willkommen im digitalen Leben›: Sa 23.10.2010 bis So 27.11.2011, Zeughaus Lenzburg, Infos: www.stapferhaus.ch, www.prohelvetia.ch
(Heft Oktober 2010, S. 19)




