Eine Kunstmesse für zeitgenössische Druckgrafik startet parallel zur Art Basel.
Keine geringere als Louise Bourgeois macht den Auftakt zur Homepage der Print Basel. Auf einem querformatigen Notenblatt hat die Grande Dame der Kunst des 20. Jahrhunderts eine rote Linie ausgelegt. Die Spirale greift über die Bildgrenzen hinaus und dynamisiert im intensiven Farbkontrast den Raum der unnotierten Partitur. Procunior Workshop wird mit weiteren Siebdrucken und Lithografien international tätiger Künstlerinnen und Künstler in Basel zu Gast sein. Das in New York beheimatete, auf die Produktion von Druckgrafik spezialisierte Atelier bestreitet mit 17 anderen Ausstellern aus den USA, Grossbritannien, Deutschland, Frankreich, der Schweiz und Singapur die erste Auflage von Print Basel.
Auf eine Umfrage bei Galerien, Kunsthändlerinnen und Druckern im vergangenen Herbst reagierten immerhin 50 von 250 positiv auf die Perspektive einer Messe mit dem Fokus auf zeitgenössischer Druckkunst. Genug, fanden der Kritiker und Ausstellungsmacher Robert Schiess und der Galerist Armin Vogt, um das Wagnis einzugehen, eine GmbH zu gründen, eine Homepage einzurichten, BewerberInnen einzuladen und einen Standort auszumachen. Das Basler Volkshaus bietet nebst der geringen Distanz zum Messeplatz Erweiterungsmöglichkeiten: «Man könnte wachsen», sagt Robert Schiess und deutet damit an, dass Print Basel mit einer Zukunft rechnet.
Drucktechnische Experimente
Die Sorge, dass das Publikum durch die zunehmenden Nebenschauplätze der grossen Kunstmessen an Kapazitätsgrenzen stösst, teilt Schiess nicht. «Wir hoffen, wir haben mit der bewussten Beschränkung auf Druckgrafik eine gute Nische gefunden.» Diese habe sich etwa in Miami bewährt, und trotz der Vorgabe, dass Arbeiten nur in kleinen Auflagen zum Verkauf kommen, sind attraktive Werke günstig erhältlich.
Das bestätigt Thomas Woodtli von der Edition Hirschkuh in Kleinlützel: Einzelne Ergebnisse ihrer Zusammenarbeit mit insgesamt 22 KünstlerInnen seien schon ab wenigen hundert Franken zu haben. Was dürfen wir erwarten an diesem Stand? Woodtlis Selbstverständnis als Produzent und Partner setzt unter anderem aufs Erproben drucktechnischer Möglichkeiten: «Wir haben sehr viele Kunstschaffende motiviert zum Experiment mit digitalen Drucktechniken.» Da dürfen dann eine Lithografie, ein Siebdruck oder eine Radierung von einem digital erzeugten Motiv überlagert werden, Bildträger variieren. Im Druck steckt mehr als die Überlieferung eines Handwerks, und in der direkten Auseinandersetzung mit künstlerischen Mentalitäten geht es nicht nur um Marktanteile: «Uns geht es um beides», sagt Woodtli. «Um Verkauf, aber auch darum, mit Gleichgesinnten im Austausch zu sein.» Print Basel bietet die Gelegenheit, dieses Netzwerk zu erweitern. | Isabel Zürcher
1. Print Basel: Mo 11. bis So 17.6., 11.00—20.00, Brasserie Volkshaus, Rebgasse 12, Claraplatz.
Vernissage: So 10.6., 17.00—21.00, weitere Infos: www.printbasel.ch
(Heft Juni 2007)




