Olle Knollennasen | Comic-Zeichner Ralf König

Mit verschiedenen Aktionen macht die Aids-Hilfe beider Basel auf ihr Jubiläum und ihre Arbeit aufmerksam.
Wie sagte schon Wilhelm Busch: «Das Gute – dieser Satz steht fest – / Ist stets das Böse, was man lässt.» Das passt nicht schlecht zu einer Moralansprache – denn, liebe Leute, am 1. Dezember ist wieder Welt-Aids-Tag. Und die Zahlen sind erschreckend: Immer noch stecken sich in der Schweiz, rechnet man die Zahlen um, täglich zwei Menschen mit dem HI-Virus an. Es gibt also einen permanenten Handlungsbedarf – Aufklärung tut Not. Lamentieren hilft nichts, halten wir es lieber mit Erich Kästner, der überzeugt war: «Es gibt nichts Gutes, ausser man tut es.» Konkret heisst dies: In den beiden Basel treibt – und dies seit 20 Jahren – die Aids-Hilfe unermüdlich Aufklärung. Also auch ein Grund zum Feiern.
Eine der Veranstaltungen im Rahmen der Jubiläumsfeiern – und aus Anlass des Welt-Aids-Tages – ist ein besonderer Leckerbissen: Ralf König gibt eine Signierstunde im Comix-Shop. Sein Bekenntnis, «schwul zu sein bedarf es wenig, ich bin schwul und heiss Ralf König», ist berühmt. Er ist der Zeichner der schwulen Knollennasen. Die Knollennasen, die es faustdick hinter den Ohren (und nicht nur dort) haben. König, der Geschichtenerzähler und -zeichner, erklärt in seinen Büchern wie ‹Der bewegte Mann› die Homo-Welt allen, die was darüber wissen wollen. Und zeigt: Auch Schwule sind nur Menschen; anders halt, aber wer ist das nicht.


Wacher politischer Kopf
Weitere Bücher Königs, wie z.B. ‹Poppers! Rimming! Tittentrim!›, sind eher für die Schwulenszene gedacht. Etwas derber im Stil, aber dennoch sehr komisch. Naja, Humor verstehen nicht alle gleich. So wollte z.B. das bayrische Landesjugendamt den Band ‹Bullenklöten› auf den Index setzen. Das durften sie, dank der ‹Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften›, dann doch nicht tun. Königs Kommentar dazu: «Ich mach keinen Porno. Ich hab auch nie verstanden, was daran pornografisch sein soll, wenn die Nase dicker ist als der Pimmel.»
Klar, bei König geht es auch um Sex. Sein Thema ist ja Homosexualität – und da ist Sex eben der kleinste gemeinsame Nenner. Aber der allein ist öde;  den Zeichner interessiert «nicht der Sex als solcher: der ist nicht komisch, sondern das ganze Drumherum». König ist ein politisch engagierter Mensch, nicht nur in der Schwulen- und der Anti-Aids-Bewegung. Dieses Jahr bekam er z.B. eine Auszeichnung für seine Antworten auf den Mohammed-Karikaturen-Streit.
Abgesehen von der Signierstunde mit König können Interessierte vorgängig weitere Attraktionen zum Welt-Aids-Tag geniessen, etwa ein Benefiz-Konzert mit Geschwister Pfister. Feiern wir mit der Aids-Hilfe Geburtstag – und bringen wir ein Präsent mit! Die Aids-Hilfe tut dann Gutes damit. – Zum Abschluss der Moralpredigt ein weiteres Sprüchlein von Erich Kästner: «Die Liebe dient zum Zeitvertreib, / drum braucht man auch den Unterleib.» | Matthias Buschle


Welt-Aids-Tag: Fr 1.12., mit Info-Lunch (12.15, Mission 21), Meditation (19.30, Münster) und Fest (ab 19.00, Rauracherkeller), www.ahbb.ch
Goodwill-Konzert Geschwister Pfister: Di 5.12., 19.00, Tabourettli; Zisch-Bar mit ‹Klangfieber›: ab 22.00, Kaserne
Signierstunde mit Ralf König: Do 7.12., 17.00—19.00, Comix-Shop, Theaterpassage
Ausserdem: Crush Boys-Party for Gays and other suspects: Sa 2.12., ab 22.30, Annex

 

(Heft Dezember 2006)