Vor einem Jahr waren wir noch überzeugt, dass es auch diesen Mai eine Basler Buchmesse samt Literaturfestival geben würde, seit Ende 2007 wissen wir, dass dies erst im November 2008 zu erwarten ist. Und wir freuten uns auf das grosse Theater Festival Basel im Sommer, bis vor kurzem dessen Verschiebung um ein Jahr bekanntgegeben wurde. In beiden Fällen sollen vor allem finanzielle Gründe zu den Entscheiden geführt haben. Zusätzliche Brisanz gewinnen beide Kulturplätze durch anstehende personelle und strukturelle Veränderungen – hier eine Nachfolgeregelung für Margrit Manz und dort Carena Schlewitts Antritt als Kasernenchefin. Im ersten Fall erscheint die geplante gemeinsame Trägerschaft von Literaturhaus und Literaturfestival sinnvoll, darf aber kein Vorwand zum Sparen sein. Für beides eine einzige Leitungsperson zu finden, ist zumindest schwierig; die Aufgaben und Bedürfnisse eines Ganzjahresbetriebs und eines Festivals sind doch sehr verschieden. Was spricht gegen ein kooperatives Team? Ob das diesmal in der Kaserne mit Theaterfestivalleiterin Susanne Winnacker und Hausherrin Schlewitt gelingt, wird man sehen. Die finanzielle Situation jedenfalls bleibt unbefriedigend, solange Festivals von dieser Grösse keine verläss-
lichen Budgets haben, sondern jedes Mal um die kantonalen Beiträge, d.h. um die meist grössten Posten, bangen müssen. Dass das Theater Festival Basel heuer vorwiegend deshalb abgesagt wurde, ist jedenfalls bedauerlich und steht der Kulturstadt
Basel schlecht an.
Etliche Unsicherheiten begleiteten vor zehn Jahren auch den Umzug der Buchhandlung Bider & Tanner an den Bankenplatz. In einem ehemaligen Möbelgeschäft fanden die Sortimente von zwei Buchhandlungen zunächst im Parterre und im Soussol Platz, später kamen der erste Stock und weiterer Raum im Erdgeschoss dazu; die Verkaufsfläche beträgt heute rund 1400 Quadratmeter. Hier ist eine grosse und sorgfältige Auswahl an Büchern und andern Medien erhältlich: Belletristik in verschiedenen
Sprachen, Sach- und Lehrbücher, Reiseliteratur und -utensilien, Kinderlektüre, Hörbücher, Kunstkarten etc. Das Unternehmen hat gegen 50 Mitarbeitende und wird vom Ehepaar Franziska und Jens Stocker geleitet. Beide haben den Buchhandel von der Pike auf gelernt, sie hat zudem Bibliothekserfahrung, er war in Grafik und Werbung tätig. Neben ihrem beruflichen Engagement sind sie auch Eltern von zwei Jugendlichen. Den Entschluss, in Basel eine zweite grosse Buchhandlung zu führen, haben sie nie bereut, und der Erfolg gibt ihnen recht, die Firma ist stetig gewachsen. Die Konkurrenz nimmt Jens Stocker gelassen; auch er will in Zukunft «noch einen Zacken zulegen», aber nicht räumlich, sondern inhaltlich. Das Profil schärfen, die Stärken ausbauen, die Kompetenzen vertiefen.
Ihr Jubiläum feiert die Buchhandlung – übrigens eine der letzten grösseren unabhängigen Buchhandlungen der Schweiz – mit einer besonderen Geste. Sie hat Schweizer AutorInnen eingeladen, ihre Werke sowie ihre Lieblingsbücher der Kundschaft schmackhaft zu machen – als BuchhändlerInnen auf Zeit sozusagen. Der Reingewinn des ganzen Tages geht an den Basler Kinderbuchfonds Baobab, der sich seit bald 30 Jahren für Jugendliteratur aus dem Süden und Osten einsetzt. Auch eine Versteigerung von signierten Büchern für geladene Gäste am selben Abend wird zugunsten von Baobab durchgeführt. Diese sympathische Aktion verdient möglichst viel Publikum und die besten Geburtstagswünsche! | Dagmar Brunner
10 Jahre Bider & Tanner: Sa 31.5., 9.00–18.00, www.biderundtanner.ch
(Heft Mai 2008)