Das Sudhaus hat die Saison mit einem neuen Leitungsteam begonnen. Daniel Jansen und Jürgen Feigl wollen das Haus als offenen Raum für ein breites Kulturangebot betreiben.
Für viele Leute ist das Sudhaus identisch mit der Disco ‹danzeria›, die dort jeden Freitag stattfindet. «Das ist völlig falsch», kontern Daniel Jansen und Jürgen Feigl, die seit Anfang September den Kulturtreffpunkt leiten. Mit zwei grossen, stark beachteten Tanztheater-Projekten sind sie in ihre erste Saison gestartet: Im September thematisierte Philippe Olza in Gesprächen und Tanz das Älterwerden. Im Oktober zeigte Silvia Buol mit einem Adhoc-Ensemble die Produktion ‹Echo – die Eigenart der Bergwelt›. Einen weiteren Schwerpunkt setzte
Matthyas Jennys Lyrikfestival, ein Sonntag mit zwölf Stunden Poesie in Wort und Bild. Jansen und Feigl haben zwar – bis auf das Diplom in Kulturmanagement – unterschiedliche Wege hinter sich, ergänzen sich aber gerade darum aufs Beste. Der 29-jährige Jansen hat u.a. einige Jahre das Sissacher KiK (‹Kultur im Keller›) geleitet, das Wirtepatent erworben und die Geschäftsstelle der ‹B-Scene› betreut. Im Sudhaus organisierte er ab 2004 die Reihe ‹SoUnDhaus›, eine Plattform für regionale Bands. Feigl, rund 15 Jahre älter, hat lange in Berlin gelebt und dort vor allem bei soziokulturellen Projekten mitgearbeitet. Er gehörte ab 2003 zum Team von Madeleine Voegeli und Johannes Berchtold, das dem zuvor etwas vernachlässigten Sudhaus neues Leben einhauchte. Nach dem Rückzug von Voegeli und Berchtold Ende letzter Saison übernahmen Jansen und Feigl die Nachfolge; Rechtsträgerin und Mieterin des Kulturraums ist die Sudhaus GmbH.
Vielfalt mit wenig Mitteln
Kontinuität ist den beiden wichtig. «Wir wollen hier einen lebendigen, offenen Ort, an dem vieles möglich ist», betont Feigl. «Wir führen die Highlights, die gut funktionieren, weiter», ergänzt Jansen, «und wir bieten auch Platz für Experimente.» Im Gegensatz etwa zum Theater Roxy wollen sie sich nicht auf bestimmte Kunstformen konzentrieren, sondern ein breites Spektrum anbieten. Dabei verstehen sie das Sudhaus auch als Schaufenster für die Kunstschaffenden im Werkraum Warteck: Silvia Buol und Philippe Olza etwa haben hier ihre Studios.
Allerdings setzt das kleine Budget enge Grenzen; Theaterproduktionen sind teuer. Und das Sudhaus muss sich selbst finanzieren, Subventionen erhält es keine, SponsorInnen fehlen (noch). Grössere Projekte sind daher in der Regel nur möglich, wenn die KünstlerInnen selbst sich um das Geld kümmern und das Sudhaus nur als Dienstleisterin auftritt. Oder durch Querfinanzierung: Die etablierten Konzert- und Disco-Reihen – die ‹danzeria›, die ‹habs›-Parties, die ‹Red Nights› und ‹Tren Revolucionario› – tragen die riskanteren Veranstaltungen mit, «ein Nullsummenspiel», kommentiert Feigl. Zu den Dauerbrennern gehören auch der Theater-Sport und der Kultur-Brunch, den das Sudhaus zusammen mit dem Quartiertreffpunkt Burg veranstaltet: Beim rustikalen Buffet à discrétion treffen sich einmal im Monat Familien vornehmlich aus dem Quartier und erleben zusätzlich ein rund einstündiges, auch für Kinder geeignetes Kulturprogramm; der Dezember-Brunch wird von brasilianischen Rhythmen begleitet. Neu ist Jansens ‹pp-Bar›, die jeden ersten Montagabend im Monat ‹Interne› und Auswärtige zum ungezwungenen Austausch einlädt.
Für die Zukunft planen Feigl und Jansen eine Erweiterung des Angebots. So sollen neben dem Theatersport auch andere Formen des Improvisationstheaters vorgestellt werden, die ‹Mord-Art› etwa, bei der die Darstellenden einen Mord aufklären müssen, über den die Zuschauenden schon Bescheid wissen. Weltmusik soll hier einen Platz haben; Märkte sind in der grossen Halle möglich; im Juni wird eine Behinderten-Woche stattfinden. Und das Publikum? Es kommt: rund 30000 Menschen pro Saison, darunter viele aus dem Quartier sowie aus der Regio. Die Aktivitäten im Sudhaus werden unterstützt vom Förderverein Sudhaus Warteck, Spenden sind steuerabzugsfähig …
| Alfred Ziltener
Aktuelles Sudhaus-Programm pp-Bar: Mo 5.12., 18.00—22.00
Abb. Jürgen Feigl (links) und Daniel Jansen