Im Rahmen der ‹Regionale› inszeniert der Kaskadenkondensator ein Performanceprogramm als nächtliche Busfahrt.
«Kleine Erleuchtungen und magische Spiele, ein animalischer Spaziergang und ein Tanz im Blauen warten auf Sie!» Was sich anhört wie eine Einladung ins Wunderland, ist davon vielleicht gar nicht so weit entfernt. Der Kaskadenkondensator lädt ein zu ‹Transformance›, einem Performanceprogramm, das als nächtliche Busfahrt inszeniert wird. Das Publikum wird vom ‹Kasko› aus zu verschiedenen Kunst-Orten der ‹Regionale› gefahren, geplante Stationen sind etwa Kunsthalle und Kunstraum Riehen. Aber auch unterwegs am Strassenrand und selbst im Bus werden Performances stattfinden. Das Nachtprogramm endet mit einer Videoperformance in der Cargo Bar.
Irgendwo zwischen erfolgreichem Geschäftsabschluss und schwer definierbarer Kunstform ist der Begriff Performance angesiedelt. Seit Anfang der Sechzigerjahre begleitete diese Kunstgattung, von ihrem Erfinder Allan Kaprow ‹Happening› getauft, ein Disput um ihre Zugehörigkeit: War sie nun dem Theater, der bildenden Kunst, der Musik oder dem Tanz zuzuordnen? Als illegitimer Sprössling diverser Gattungen bewegt sich die Performance bis heute zwischen allen Stühlen. Ging es im Diskurs der Sechzigerjahre auch um die Besetzung von theoretischem Territorium, sind solche Markierungen heute hinfällig geworden. Das Überschreiten von Gattungsgrenzen gehört längst zum Standardrepertoire zeitgenössischer Kunstproduktion.
Facettenreiche Kunstform
Mit der dezentralen Organisationsform der Jahresausstellung, die auf Anregung des Kaskadenkondensators vor einem Jahr entwickelt wurde, hat man erste Erfahrungen gesammelt. Bereits an der letztjährigen ‹Regionale› organisierte der ‹Kasko› an den diversen Eröffnungen Performances – was jedoch kaum als kohärentes Programm, sondern eher als Vernissage-Entertainment wahrgenommen wurde. Um den Performances mehr Aufmerksamkeit zu sichern und nicht zuletzt auch als Veranstalter besser wahrgenommen zu werden, erarbeitete das Projektteam unter der Leitung von Sabine Gebhardt ein neues Konzept in der Struktur einer Meta-Performance.
Die fünfköpfige Jury definierte den ‹bewegten› Rahmen einer Busfahrt und wählte aus den ‹Regionale›-Bewerbungen acht PerformerInnen aus, die zu einer Weiterbearbeitung ihrer Projekte im Hinblick auf diese spezifische Präsentationsform eingeladen wurden. Die Jury, selbst aus ExponentInnen unterschiedlichster Kunstgattungen bestehend, suchte explizit nach einer Mischung aus Arbeiten, die verschiedene Akzente setzen: bildhafte, tänzerische, konzeptuelle, musikalische oder sprachliche. Zudem wurde die Schauspielerin Desirée Meiser als kommentierende Busreiseführerin engagiert, eine Rolle, die zugleich spielerisch unterlaufen werden soll.
Die facettenreiche Kunstform Performance, deren Schwerpunkt auf der Handlung liegt, zeichnet sich als einmaliges Ereignis aus. Sie wirkt durch ihre Unmittelbarkeit und involviert ihr Publikum in ein Geschehen, das verwirrend, erheiternd, provokativ und poetisch sein kann – durchaus auch gleichzeitig. Erwartungen werden unterlaufen, vermeintlich Bekanntes verfremdet, alltägliche Wahrnehmungsmuster hinterfragt. ‹Transformance› verspricht eine anregende Reise ins Ungewisse, bei der die Passagiere zu Teilnehmenden an einem kunstvoll choreografierten Ereignis werden. | Sibylle Ryser
Jahresausstellung ‹Regionale 01›: ab Sa 1.12., 11.00 (Vernissage) bis So 6.1.02 an verschiedenen Kunstorten der Region siehe Dezemberheft Seite 30, 31
‹Transformance›-Gespräch: Sa 1.12., 14.00, Kasko. Sabine Gebhardt und Samuel Herzog mit Gästen siehe Dezemberheft Seite 28
‹Transformance›–Programm: Do 13.12., 19.00 (Türöffnung 18.00), Kasko.
Mitwirkende: Lena Eriksson, Anne Hody, Renate Hug, Heinrich Lüber, Irene Maag, Desirée Meiser, Hinrich Sachs, Selma Weber/Clara Saner. Jury: Silvia Buol, Sabine Gebhardt, Pascale Grau, Norbert Klassen, Sylwia Zytynska. Projektleitung: Sabine Gebhardt, Pascale Grau.