Scham

Alle tun es, doch kaum einer gibt es zu. Man tut’s einfach nicht, das heisst, weil es eben doch alle tun, tut man’s im Verborgenen, heimlich, gewissermassen hinter vorgehaltener Hand. Allerdings gibt es sogenannte Persönlichkeiten, die sind uns gewöhnlichen Alltagsmenschen so fern, so makellos sind die, dass es schwer fällt sich vorzustellen, wie sie es tun. Trotzdem, auch die werden’s wohl tun (aber sicher ist man natürlich nie).


Nun aber unverzagt und ohne Umwege zu einer dieser mit Scham behafteten, bekanntlich meist der Zone des Körperlichen zugehörigen Tätigkeiten – dem Hingebungsvoll-in-der-Nase-Bohren oder auch kurz: Nasenbohren. Man tut’s ja nicht, aber ich kann Ihnen sagen, dass mich bereits beim Darandenken und Niederschreiben ein eindeutig schamhaftes Gefühl ankommt, so, als ob schon das Wort an sich (und selbstverständlich das mit ihm in mir aufsteigende Bild) ä und bäh und pfui wäre.


«Schäm dich», musste man denn auch als Kind hören … und hatte irgendwann die Lektion gelernt. Die Vorstellung, ein Kind könne für sein grüblerisches Tun auch gelobt und in seinem Entdecker- wie Forscherdrang geradeso gut bestärkt oder wenigstens geduldet werden (wer weiss, wozu das später noch gut ist) – ist selbstverständlich eine ganz und gar abwegige.


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