Kunstpause

GUY KRNETA

 

Drei Portale für Kulturkritik.
Kunst braucht die öffentlich geführte Fachdebatte. Nicht bloss als Kompass für ein eventorientiertes Publikum und Fördergremien, sondern für die eigene Entwicklung – und um Bedeutung zu erhalten über die Fachdebatte hinaus. Somit kann einen der derzeitige Medienwandel euphorisch machen, verzweifelt oder beides gleichzeitig. Während Printmedien und Fernsehen ihre Kulturberichterstattung inhaltlich ausweiten und redaktionell ausdünnen, gewinnen die Nischen im Internet an Bedeutung und werden zu Referenzorten. Die Vorstellung, dass sich gute Kunst sowieso durchsetze, war noch nie richtig und wird es in Zukunft erst recht nicht sein. Jene Kunst setzt sich durch, welche die Debatte über sich selber mitliefert und damit Massstäbe setzt. Dem Theater als gesellschaftliches Forum, transdisziplinäre Kunst und – zumindest in seiner  institutionalisierten Form – nach wie vor kulturpolitisches Schlachtross scheint dabei eine besondere Bedeutung zuzukommen. Und so verwundert es nicht, dass gerade aus dieser Ecke mehrere Initiativen mit dem Medienwandel  umzugehen versuchen.
‹nachtkritik.de› wurde 2007 von Theaterkritikern in Berlin gegründet. Das Portal publiziert Kritiken bereits um 9 Uhr morgens nach den  Premieren. Hier gibt es einen breiten Überblick über Aufführungen an deutschsprachigen Theatern, Debatten werden lanciert und moderiert, und mit seinem virtuellen Theatertreffen kratzt ‹nachtkritik› alljährlich an der offiziellen Berliner Auswahl.
‹kulturkritik.ch› wird finanziert und getragen von Kulturinstitutionen (vor allem Theaterhäusern) und der Zürcher Hochschule der Künste. Es begann vor einem Jahr als Versuch und wurde nun um ein Jahr verlängert. Sämtliche Kunstsparten werden abgedeckt. Das Projekt ist auf den Platz Zürich begrenzt.
‹theaterkritik.ch›, das vorerst jüngste Portal, startet voraussichtlich im November. Lanciert wurde es von den Verbänden der freien Theaterschaffenden als gesamtschweizerisches Projekt. Die Pilotphase wird vom Bundesamt für Kultur unterstützt. Jede (angemeldete) Aufführung wird mit zwei unabhängigen Kritiken bedacht. Die produzierenden Theater finanzieren mit. Der Erfolg von ‹theaterkritik.ch› wird massgeblich vom Grad der Vernetzung (Kulturzeitungen, Veranstalter) und dem Engagement der produzierenden Theater abhängen.

 

Mehr Infos: www.nachtkritik.de, kulturkritik.ch, theaterkritik.ch

 

Debatten über verschiedene Formen der Kulturkritik verspricht das Forum ‹KulturMedienZukunft›:  Do 1./Fr 2.9., Zürich: www.kulturpublizistik.ch

 

‹Kunstpause› beleuchtet kulturpolitisches Geschehen.

 

(Heft September 2011, S. 16)