DAGMAR BRUNNER
Der Ackermannshof startet vielversprechend in die Zukunft.
Vor 500 Jahren starb in seinem Haus, dem Ackermannshof, der berühmte Drucker Johannes Petri, der den Buchdruck in Basel zusammen mit Johannes Froben und Johannes Amerbach zum Blühen brachte und als Begründer der Schwabe Druck und Verlag AG gilt. Im 20. Jahrhundert siedelte hier dann die Volksdruckerei, die u.a. die sozialdemokratische Arbeiter- bzw. Abendzeitung herausgab. Doch nicht nur die ‹Schwarze Kunst› war in diesem Gebäude über 100 Jahre präsent, auch vornehme Handelsleute und Seidenbandfabrikanten belebten es während Generationen, bauten es aus und um und hinterliessen z.T. spektakuläre Spuren wie dekorative Wand- und Deckenmalereien. Im vergangenen Jahrzehnt wurde die Liegenschaft mit unterschiedlichen Konzepten kulturell und gastronomisch genutzt; zudem barg sie das Atelier des Künstlers Dieter Roth. Doch die Zukunft des geschichtsträchtigen, aber sanierungsbedürftigen Baus war ungewiss.
Ein Ort für Arbeit und Musse. Nun ist der Ackermannshof auf bestem Weg, zu einem attraktiven Ort für zeitgemässe Initiativen zu werden. Mit einer substanziellen Erhöhung des Aktienkapitals und massgeblichen Darlehen für die umfangreiche, mit der Denkmalpflege abgestimmte Renovation haben sich die Familie Soiron und die Edith Maryon Stiftung nachhaltig engagiert; Infrastrukturbeiträge gab es von weiteren Stiftungen und den Basler Kantonen. Ein Fonds für den Kulturbetrieb ist im Aufbau.
Die neuen Mieter werden das Haus vielfältig beanspruchen und bespielen. So das Kammerorchester Basel, das hier einen Heimathafen bekommt und sowohl proben wie konzertieren will, dann der Steiner Verlag (s. Text S. 22) und das Philosophicum, das sich als Ort für Forschung, Bildung und Veranstaltungen zu Fragen unserer Zeit versteht. Markant präsent ist zudem die Architektur: Ein Zweig der Ecole Polytechnique fédérale de Lausanne wird unter der Leitung von Harry Gugger das Laboratoire Bâle (laba) aufbauen und zusammen mit dem ETH-Studio Basel ein neues Kompetenzzentrum für städtebauliche Forschung in der Schweiz schaffen.
Für das Kulinarische im Ackermannshof sorgt das Wirtepaar Lambelet. Es bietet werktags Mittagessen und Take-away-Verpflegung und freitags sowie bei Bedarf auch an andern Tagen Abendessen an, die gehaltvoll, aber unkompliziert sein sollen. Last but not least steht die ehemalige Druckereihalle für Anlässe aller Art zur Verfügung, die von Carmen Bregy und Matthias Buschle lanciert und koordiniert werden.
Eröffnung Ackermannshof: Fr 2./Sa 3.9. Mit Musik, Kunst und Kulinarik, www.ackermannshof.ch Eröffnung Restaurant: Fr 9.9., 11.30, St. Johanns-Vorstadt 19–21 Eröffnung Philosophicum: Sa 17./So 18.9. Gespräche und künstlerische Beiträge von Dimitri, Matthias Restle, Ulrich Muchenberger, Cornelia Huber, Guy Krneta u.a., www.philosophicum.ch
(Heft September 2011, S. 23)