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Susanne Wyttenbach
V.S. aus Gattikon

 

Sowie zahlreiche weitere
anonyme Spenderinnen und Spender

 

‹Frauen …›, Foto: Tabea Rothfuchs

ProgrammZeitung 1/2017, S. 15

«Alltagsheldinnen»

Dagmar Brunner

Die Volksbühne Basel stellt vielschichtige Frauenbilder vor.

Weltweit gesehen gibt es etwas mehr Männer als Frauen; in Europa und den USA sowie mit fortschreitendem Alter sind Frauen allerdings in der Mehrheit. Das bedeutet freilich nicht, dass sie die gleichen Rechte und Chancen haben wie Männer, und zu dieser Erkenntnis braucht es keinen Blick ins ‹Ausland›. Diskriminierungen aller Art – unbezahlte Hausarbeit, Gewalt im Privat- und Arbeitsleben, die Mutter­falle, ungleiche Bezahlung und eine sexualisierte Alltags­welt – sind eine Realität, auch im reichsten Land der Welt. Das ist hinlänglich bekannt und muss doch immer wieder moniert werden.

Aber auch die Kraft und Stärken von Frauen gilt es zu zeigen. Nicht die des medien- und werbetauglichen Super­weibs, das angeblich alles unter einen Hut bringt, sondern vielmehr die Allerweltsfrau, die kaum Aufhebens um ihre Verdienste und Vorzüge macht. Just diese hat die Volks­bühne Basel für ihre neue Produktion ‹Frauen – glühende Wangen unter den Füssen› im Blick. Sechs ganz unter­schiedliche Frauen mit vielschichtigen Biografien stehen auf der Bühne; die meisten sind über 45 Jahre alt, leben in Basel oder Europa, haben Wurzeln in anderen Ländern wie Bosnien, Kurdistan, Spanien, Syrien, Deutschland. Sie sind in diesen ‹Kulturmischungen› aufgewachsen, bringen viel­fältige Erfahrungen mit, darunter auch leidvolle wie Krieg, Flucht und Schicksalsschläge.

Reichtum sichtbar machen

In vielen Gesprächen hat Regisseurin Anina Jendreyko Frauen zwischen 20 und fast 100 Jahren zu ihren Erleb­nissen, Frauen- und Familienbildern, Hindernissen, Wegen und Wünschen befragt und mit ihrem Team das biogra­fische Material verdichtet. Nun kommen die gewonnenen Ansichten und Erkenntnisse mit theatralischen Mitteln sowie mit Tiefgang lust- und humorvoll zum Ausdruck (Bühne, mediale Szenografie: Tabea Rothfuchs). Neben Unterschieden treten Gemeinsamkeiten und Qualitäten zutage, so sei etwa «die Kraft der Erneuerung» vielen Frauen eigen. Mit dem Stück möchte Jendreyko auch dazu anregen, über Klischees nachzudenken und ohne schnelle Wertung in andere Erfahrungen zu schlüpfen. Und die oft widersprüchlichen Seiten des Frauseins als Reichtum und nicht als Mangel zu empfinden.

Die Volksbühne Basel erzählt mit dieser Produktion authen­tische Frauen- und Migrationsgeschichte(n), wie sie es auch schon in früheren Stücken getan hat (‹Selam Habibi›, ‹Söhne›, ‹A & X›). Sie beleuchtet Identitäten und Traditio­nen, stellt ‹Eigenes› und ‹Fremdes› zur Debatte und schlägt tragfähige Brücken zwischen den Kulturen.


‹Frauen – glühende Wangen unter den Füssen›:
Sa. 21. bis Sa. 28.1.2017, 20:00, Roxy, Muttenzerstr. 6, Birsfelden, www.volksbuehne-basel.ch


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