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Fritz Hauser, Foto: Pavel Korbut

ProgrammZeitung 1/2018, S. 13

Zeichen und Wunder

Thomas Meyer

Der Schlagzeuger Fritz Hauser lädt zum dritten Festival ‹Different Beat› ein.

Wer bei Schlagzeug automatisch an Rhythmus und Puls denkt und darin auch meist in unserem Konzertbetrieb
bestärkt wird, den dürfte es überraschen, wenn sich z.B. ein Musiker damit begnügt, eine Stunde lang an nur einem Gong zu reiben und zu streichen, ihn also gleichsam zu ‹schraffieren›. So gering der Aufwand scheint: Aus dieser Genügsamkeit entsteht eine gross angelegte und gross­artige, an- und abschwellende Klangfläche, einem Mandala gleich. ‹Schraffur› heisst dieses ungewöhnliche Konzept, das der Basler Perkussionist Fritz Hauser mittlerweile in mehreren Versionen vom Solo bis zum Orchester erprobt hat.

Zu erleben ist diese etwas andere Art der Schlagzeugmusik beim Festival ‹Different Beat›, das Hauser nun schon zum dritten Mal durchführt. Der Titel spielt auf eine Stelle in Henry Thoreaus berühmtem Buch ‹Walden› an: Ein Mann möge seinem Gehör folgen, wenn er mitten in einer Parade einen anderen, vielleicht fernen Trommler hört. Dieser ‹andere Schlag› meint nicht nur ein Anderssein, er trägt auch eine gewaltige Vielfalt in sich. Beim Festival ist ein wahres Panoptikum des Schlagzeugspiels erfahrbar: von Abend zu Abend ein ‹different beat›.

Nuanciertes Zuhören.

Neben der unisonoren ‹Schraffur› erklingt das in sich viel heterogenere Stück ‹TFA – Trout Fishing in America›, das Olivier Cuendet für Hauser komponiert hat. Er bezieht sich dabei auf eine anekdotenreiche Novelle von Richard Brau­tigan aus den 1960ern, und da sich der Autor damals auf einer Reise befand, wandert Hausers Schlagzeug ebenfalls durch den Konzertsaal.

Auch die drei Duo-Abende sind höchst unterschiedlich ge­staltet: Wenn man beim Zusammenspiel Hausers mit dem Churer Kollegen Peter Conradin Zumthor ein überborden­des Feuerwerk erwarten darf, so wendet er sich mit dem Mailänder Sergio Armaroli einer fast John-Cage-mässig strukturierten Stille zu. Und noch ein andersgeartetes Interagieren ergibt sich im Duett mit der Cellistin Martina Brodbeck. Erwünscht ist jedes Mal auch eine andere Art des Hin­hörens, die in der intimen und vom städtischen Lärm un­beschadeten Atmosphäre des H95 erst recht zum Tragen kommt.

Ein neues Werk des Komponisten Fritz Hauser erlebt man übrigens am einzigen spielfreien Abend des Festivals im Gare du Nord: im Rahmen des ersten grossen Solopro-gramms der Luxemburger Schlagzeugerin Louisa Marxen. Ganz frisch ist auch das Klang- und Raumkonzept, das an den beiden Eröffnungsabenden aufgeführt wird: ‹Zeichen & Wunder› für drei Sängerinnen (Ensemble Astraia), und vier Schlagzeuger (We spoke). Die Wege führen hier über knapp sechzig Minuten durch unterschiedliche Geräusch- und Klangregionen; man begegnet den kurzen Atem-stücken von Mela Meierhans, gerät aber auch in blühende Gärten mit alter Musik, einem Organum etwa des Pariser Magisters Pérotin oder Madrigalen der Monteverdi-Zeit-genossin Barbara Strozzi. Die Laute bzw. Theorbe von Ziv Braha mischt sich diskret hinein, und durch die allabend-liche Lichtgestaltung von Brigitte Dubach entsteht auch hier eine zauberhafte Stimmung.

♦ ‹Different Beat›: Fr. 12. bis So. 21.1.2018, H95, Raum für Kultur, Horburgstr. 95, www.fritzhauser.ch, www.h95.ch
♦ Louisa Marxen Solo: Do 18.1., 20 h, Gare du Nord. Mit Kompositionen von Carola Bauckholt, Fritz Hauser, Inigo Giner Miranda, Mike Svoboda und François-Bernard Mâche

 

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