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Visual von La Coupole, Ivan Wyschnegradskys visionäres Lichtkuppel-Projekt

ProgrammZeitung aus dem Septemberheft 2019, S. 13

Raum erzeugt Klang, Klang kreiert Raum

Christian Fluri

Das Festival ‹ZeitRäume Basel› verbindet
zeitgenössische Musik und Architektur.
Mit einem besonderen ‹Leuchtturmprojekt› überrascht
die diesjährige Ausgabe von ‹ZeitRäume Basel›: Das Genfer Architekturbüro ‹Made in› entwickelt und baut im Hof
des Kunstmuseums Basel einen 45 Meter hohen, auf seiner Spitze balancierenden Klangturm, der «das Unmögliche möglich macht», wie Intendant Bernhard Günther erklärt: ‹Rohrwerk. Fabrique sonore› ist ein Teamwork der Architekten François Charbonnet und Patrick Heiz mit Komponierenden, Musikschaffenden und Technikern. Es entspricht präzis dem Konzept des biennalen Festivals, das zeitgenössische Musik und Architektur miteinander verknüpfen und aufeinander wirken lassen will. Alle Klänge werden über Rohre erzeugt, der Orgelbau dient als Pate. Der Turm wird eine Woche lang live bespielt.

Utopisches Kunstprojekt.
‹ZeitRäume Basel› endet auch anspruchsvoll: Erstmals wird das Lichtkuppel-Projekt ‹La coupole› realisiert, das der Mikroton-Komponist Ivan Wyschnegradsky in den 1940er-Jahren entwickelt hat. Die Markthalle, Basels einziger Kuppelbau, sei dafür der ideale Ort, meint Günther. Gespielt wird die Musik auf sechs in Mikroton-Abständen gestimmten Flügeln; ergänzend füllen tanzende Farb-muster den riesigen Raum. Den Festivalpavillon bei der Mittleren Brücke baut dieses Mal Marco Zünd vom Büro Buol & Zünd, das den Basler Jazz Campus geschaffen hat: eine aufklappbare Würfelkonstruktion, die als Festival-zentrum fungiert.

‹ZeitRäume Basel› hat sich als wichtiges, eigenständiges Festival etabliert, das seinen Fokus ganz auf unsere Gegenwart legt. Hier wird erkundet, wie Klang Raum kreiert und Raum Klang erzeugt. Das Festival hat sich mit seinen vor Ort entwickelten Projekten in der Stadt künstlerisch verwurzelt. So findet es auch eine breite Unterstützung. ‹ZeitRäume Basel› begeistert Kompo-nistinnen und Komponisten, für bestimmte Räume neue Stücke zu kreieren, es bringt mehrere Uraufführungen zu Gehör. Und es weckt zunehmend das Interesse von Profis der Baukunst. Die Verknüpfung von zeitgenössischer Musik und Architektur gelinge immer besser, betont Günther. 

Soziale Räume.
Wiederum werden öffentliche Räume bespielt. Der Münsterplatz ist Ort der Festivaleröffnung. Das Ensemble Deci Bells von Domenico Melchiorre, Schlagzeuger des Sinfonieorchesters Basel, lässt ‹Persephassa› erklingen, das räumliche Schlagzeugstück von Iannis Xenakis, der Komponist und Architekt war. Zudem bringt Melchiore
sein neues Stück ‹Incircles› zur Uraufführung. Marianne Schuppe, Sängerin und Komponistin, führt Chorgruppen aus der Region summend durch die Stadt an belebte Plätze und lädt zum Mitmachen ein. Im Unternehmen Mitte kann man Variationen des Rauschens erleben. Das St.-Johann-Quartier und das Hafenareal im Klybeck werden musikalisch begangen. Erstmals gibt es ein Motto: Es geht um soziale Räume, die Menschen zusammenbringen.

Dazu passt Luigi Nonos grandioses Musiktheater, mit dem das Theater Basel seine Saison eröffnet. Günther freut
sich über die erste Zusammenarbeit mit dem Theater. Gemeinsam mit der Paul Sacher Stiftung, die Nonos Nachlass beherbergt, und der Musik Akademie Basel wird dazu ein Rahmenprogramm veranstaltet. Weitere
Kooperationen geht ‹ZeitRäume Basel› etwa mit der Basel Sinfonietta ein. Im ersten Saisonkonzert ‹Wir sind Meer› wird u. a. die Komposition ‹Rein› der Schweizer Kom-ponistin Katharina Rosenberger uraufgeführt. Sodann wirken das Ensemble Phoenix, die Swiss Foundation for Young Musicians, welche Martin Jaggi als Composer in Residence eingeladen hat, der Gare du Nord und die
Galerie Bartha mit. Zudem wird am Festival der Schweizer Musikpreis verliehen. 

•  3. Festival ‹ZeitRäume Basel›: Fr 13. bis So 22.9., über
    30 Spielorte, www.zeitraeumebasel.com 

•  Ausserdem: ‹L’Esprit de l’Utopie. Die Welt der
    mikrotonalen Musik›:  Do 5. bis Fr 20.9., Haus Zwischenzeit,  
    Spalenvorstadt 33, sowie So 22.9., 20 und 22 h, Markthalle,
    www.zwischenzeit.ch



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