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Susanne Wille, Foto: SRF/Oscar Alessio

ProgrammZeitung aus dem Dezemberheft 2020, S. 8/9

«Die Zeit des einseitigen Sendens ist endgültig vorbei. Der Dialog mit dem Publikum ist eine Riesenchance.»

Sabine Knosala

Seit Anfang Juni ist Susanne Wille die neue Kulturchefin von SRF. Im Interview erklärt die ehemalige «10 vor 10»-Moderatorin, warum es das Transformationsprojekt
«SRF 2024» braucht und was das für die Kulturbericht-erstattung bedeutet.


Sie haben Ihre Stelle mitten in der Coronakrise und kurz vor der Vorstellung des Transformationsprojekts «SRF 2024» angetreten. Wie war Ihr Start als Kulturchefin?
Susanne Wille: Ungewöhnlich, ich habe die Abteilung übernommen in einer Zeit, als ein Grossteil der Teams bereits im Homeoffice war. Dadurch war meine Einarbeitungszeit anders, als man sich das vorgestellt hatte: Ich war nicht vor Ort und konnte die Leute nicht persönlich sehen. Ich habe dann versucht, so gut wie möglich erreichbar zu sein und mir Zeit zu nehmen.

Welche Auswirkungen hat die Coronakrise auf den Kulturbereich? 
Corona trifft die Kulturszene hart. Ich komme jetzt gerade aus einer Sitzung, wo wir besprochen haben, wie wir die Kulturszene noch mehr unterstützen können. SRF Kultur schafft zusätzliche Sendeflächen und diverse Sonder-projekte für Kulturschaffende aus allen Sparten. Wir öffnen unter anderem die Mikrofone am Radio oder schaffen zusätzliche Sendungen für die Literatur. Künstlerinnen und Künstler übernehmen den Instagramaccount von SRF Kultur und das Kulturplatzteam unterstützt Kultur-schaffende bei ihren Auftrittswünschen. 

Sie waren ja 20 Jahre im Bereich News tätig. Welche Erfahrungen können Sie daraus für SRF Kultur mitnehmen? 
Auf der publizistischen Ebene konnte ich das journalistische Handwerk mitnehmen, Kenntnisse über Kultur, da auch in den Nachrichtensendungen häufig über Kulturveranstal-tungen und -themen berichtet wird, und die Belastbarkeit: Ich glaube, ich bin ziemlich abgehärtet nach 20 Jahren Newsjournalismus und mehrstündigen Wahlsendungen … (lacht) Daneben war ich als Leiterin des Qualitäts- und Steuerungsboards auf Managementebene in den aktuellen Transforma-tionsprozess involviert. Die Frage, wie man ein Angebot in Zukunft führen will, ist die gleiche, egal, ob im News- oder Kulturjournalismus.

Apropos: Warum ist das Projekt «SRF 2024» überhaupt nötig?
Bei «SRF 2024» geht es darum, dass sich die Medien-nutzung verändert hat. Man hat heute nicht nur Radio und Fernsehen, sondern auch eine grosse Auswahl an digitalen Angeboten. Uns geht es darum, wie wir die Leute erreichen, die kein oder wenig Radio und Fernsehen konsumieren – insbesondere die unter 45-Jährigen. Gleichzeitig sehen wir, dass 40 Prozent der über 60-Jährigen die digitalen SRF-Angebote täglich nutzt. Das zeigt, dass ein grundsätzlicher Wandel in vollem Gange ist.

Wie reagiert das Projekt «SRF 2024» darauf?
Es geht darum, wie wir mit unseren guten Inhalten, die wir tagtäglich produzieren, neue Publikumsgruppen erreichen. Gleichzeitig müssen wir Radio und Fernsehen Sorge tragen, denn wir werden weiterhin Radio und Fernsehen machen. Über all dem steht die Frage: Wie können wir das, was wir jetzt machen, gut in die Zukunft übersetzen? Wir haben alle 600 Angebote von SRF genau angeschaut und uns überlegt, wo es noch Lücken zu schliessen gibt. Dabei waren wir geleitet vom Gedanken: Wie schaffen wir es wieder ein Medienhaus für alle zu werden? Im Moment erreichen wir ein Viertel der Deutschschweizer Bevölkerung nicht, obwohl wir ja in der Konzession den Auftrag haben, alle zu erreichen.

Können Sie Beispiele aus SRF Kultur nennen?
Kultur ist und bleibt wichtig. Ein Beispiel ist die «Sternstunde Philosophie», die am Sonntagmorgen ausgestrahlt wird. Hier wollen wir den Youtube-Kanal stärker auf Philosophie ausrichten und neue Philosophie-formate schaffen. Das bedeutet aber nicht, dass Philosophie im Fernsehen geschwächt wird. Soeben gestartet ist das neue Webformat «Bleisch & Bossart», in dem Alltagsfragen aus philosophischer Sicht diskutiert werden. Im Bereich Wissenschaft soll eine digitale Anlaufstelle entstehen, ein gebündeltes Angebot, wo man alle Wissensinhalte von SRF findet. Geplant sind auch neue Formate zum Thema «Klima, Natur und Umwelt». Trotzdem wird es das Wissenschaftsmagazin «Einstein» weiterhin geben, aber keine 90-minütigen Spezialsendungen mehr fürs Fernsehen. Hier werden die Mittel ins Digitale verlagert. Auch Hörspiele werden weiterhin von SRF produziert, aber die Produktion wird anders aufgegleist mit Fokus auf Podcasts. Das Publikum hört Geschichten gerne zeitversetzt und zeitunabhängig.

Podcasts gibt es doch jetzt schon. Was ist neu daran?Podcasts sind mehr als Radiosendungen, die auch im Internet angehört werden können. Sie haben eine ganz eigene Ansprache, eröffnen andere Möglichkeiten. Daher werden Hörspiele zuerst als Podcast produziert, also «digital first», und dann später im Radio gesendet statt wie bisher umgekehrt. 

Werden auch Video- oder Audioformate nur noch fürs Internet produziert?
Wir haben ja nicht mehr Geld zur Verfügung. Im Gegenteil: Der Finanzrahmen ist gesteckt, wir müssen in den nächsten zwei Jahren 68 Millionen Franken sparen. Daher ist eine Mehrfachnutzung das Ziel. Es gilt Wege zu finden, wie man Inhalte, die fürs Digitale zuerst produziert wurden, dort, wo es Sinn macht, auch im Fernsehen oder Radio ausspielen kann. 

Wie soll denn künftig das Zusammenspiel zwischen TV, Radio und Internet aussehen?
Wir müssen weniger in Sendungen und Kanälen und mehr in Geschichten und Themen denken. Wo ist der beste Ort für diese Geschichte? Wie müssen wir sie erzählen? Man erzählt anders auf Instagram als im «Kulturplatz». Zudem muss der Inhalt vom Publikum auch gefunden werden. Das Ziel ist ein Zusammenspiel und nicht mehr ein Nebeneinander. Dieses Jahr haben wir uns zum Beispiel den Schwerpunkt «1945» gesetzt: Den Kern bildet die fiktionale Serie «Frieden». Insgesamt publizieren wir aber fast 40 Beiträge. Zeitzeugen kommen beispielsweise im Radio zu Wort, wo man ihre Stimmen hören und ihren eindrücklichen Erzählungen lauschen kann. Ein bildstarker Dokfilm über Buchenwald-Kinder läuft im Fernsehen. Analysen zum grossen Schweigen nach dem zweiten Weltkrieg liefern wir online etc.

Man hört viel von interaktiven Medien. Inwiefern wird das bei «SRF 2024» umgesetzt?
Die Zeit des einseitigen Sendens ist endgültig vorbei. Der Dialog mit dem Publikum ist eine Riesenchance. So haben wir bei «1945» ganz viel Debattenelemente eingebaut wie einen Chat nach dem ersten Dokfilm oder Kommentar-möglichkeiten auf unserer Homepage. Das Publikum soll uns sagen, was gut ankommt und was nicht. Kultur auf Augenhöhe ist mir sehr wichtig.

«SRF 2024» beinhaltet auch ein Sparprogramm. Wie viele Mitarbeitende müssen Sie bei SRF Kultur entlassen?
Zurzeit läuft das Konsultationsverfahren mit den Sozialpartnern. Daher kann ich noch nichts dazu sagen.

Sie bekommen aufgrund der Sparmassnahmen auch viel Kritik zu hören. Wie gehen Sie mit Anfeindungen um?
Man darf nicht erwarten, dass intern und extern sofort alles nachvollziehbar ist, wenn man eine Transformation ankündigt. Liebgewonnene Sendungen abzulösen, löst verständlicherweise ein Echo aus. Daher ist es wichtig, genau zu erklären, aber auch gut zuzuhören und Kritik entgegennehmen. Beim Miteinanderreden können viele Missverständnisse aus dem Weg geräumt werden.

Wie reagieren Sie persönlich?
Ich stelle mich der Kritik, indem ich mich unter anderem öffentlich dazu äussere oder dem Publikum persönlich zurückschreibe. Dazu kommt: Ich habe jetzt die Verantwortung für 300 Kolleginnen und Kollegen. Ihnen bin ich verpflichtet. Daher ist es wichtig, dass ich überzeugt bin von dem, was wir strategisch machen. Das ist mein Kompass.

Die Absetzung der Literatursendung «52 beste Bücher» hat zu einem öffentlichen Aufschrei geführt. Stehen bereits Nachfolgeformate fest?
Es ist noch zu früh, die neuen Formate werden erst in Zusammenarbeit mit der Fachredaktion Literatur entwickelt. Wir werden aber weiterhin ein Literaturangebot haben, und zwar auf allen Kanälen. Im Rahmen der Corona-Sonderprojekte zur Förderung der Kultur wird es bereits neue Literaturformate wie einen Hörspiel-Wettbewerb für Schreibende oder ein zusätzliches Literaturfenster geben.

Wie wollen Sie die Balance finden zwischen Service public und Themen, die möglichst viele Leute ansprechen?
Kultur soll allgemein zugänglich sein – auch in der Prime-time. Daneben muss es aber auch spezifische Angebote geben, denn Kulturinteressen sind oft fragmen-tiert. Wer gerne ein gutes Buch liest, interessiert sich vielleicht nicht für den Tanz und wer gerne tanzt, muss nicht unbedingt ein Kunst- oder Architekturfan sein. Es ist aber unser Anspruch bei den Minderheiten, die sich für ein bestimmtes Thema interessieren, eine Mehrheit zu erreichen.

Welcher Kulturbereich liegt Ihnen privat am nächsten?
Ich lese sehr gern und habe viele Jahre selber getanzt. Ich habe auch kurz Theater studiert und gehe gern ins Kino. Ich bin sehr vielseitig unterwegs. Und Musik ist mir sowieso wichtig: Jedes meiner drei Kinder hat einen anderen Musikgeschmack. Da kommt einiges zusammen in unserem Haushalt … (lacht)

Ist Basel der richtige Standort für SRF Kultur?
Es ist sehr wichtig, dass SRF in den verschiedenen Regio-nen verankert ist. Daher werde ich mich dafür einsetzen, den Kultur-und Wissensstandort in Basel noch zu stärken. 

Wie sind die Erfahrungen mit dem Meret-Oppenheim-Hochhaus?
Im Meret-Oppenheim-Hochhaus haben wir erstmals Fernsehen, Radio und online an einem Standort vereinigt. Daraus entsteht kreative Nähe, was die Kultur insgesamt kräftigt.

Wo steht Susanne Wille in zehn Jahren?
Ich habe bis jetzt so ein intensives Leben gehabt, aber selten etwas geplant. Ich gehe in dem auf, was ich mache und überlege mir nicht, wo das später hinführt. Das hat sich bewährt.

Zur Person: Die 46-jährige Susanne Wille kannte man bisher vor allem als Aushängeschild der Nachrichtensendung «10 vor 10»: Wille arbeitete während des Studiums zuerst als Videojournalistin beim Regionalsender Tele M1. 2001 kam die Aargauerin dann zum Schweizer Fernsehen und wurde Moderatorin und Reporterin bei «10 vor 10». Später war sie in der Bundeshausredaktion und für das Politmagazin «Rundschau» tätig. 2017 kehrte sie zu «10 vor 10» zurück und wurde parallel dazu Mitglied des News-Projektteams. 
Seit 1. Juni leitet Susanne Wille nun die Abteilung SRF Kultur, zu der die fünf Bereiche «Online und Distribution», «Radio/Audio», «TV/Video», «Fiktion» und «Dokumentar-film und Reportage» gehören. Wille lebt mit ihrem Mann, dem «Tagesschau»-Moderator Franz Fischlin, und den drei gemeinsamen Kindern am Hallwilersee.

 

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