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Der Aalfischer Pitjevogel, der Schafhirt Suskewiet und der Hühnerdieb Schrobberbeeck erleben im «Triptychon» ihr ganz persönliches Weihnachtswunder, Foto: zVg

ProgrammZeitung aus dem Dezemberheft 2021, S. 13

Das Geheimnis eines 
Weihnachtsklassikers

Sabine Knosala

Seit 1945 zeigt das Basler Marionetten Theater alle Jahre wieder das «Triptychon» von Felix Timmermans.

An einem kalten Weihnachtsabend ziehen der Schafhirt Suskewiet, der Aalfischer Pitjevogel und der Hühnerdieb Schrobberbeeck als Heilige Drei Könige durchs Land und sammeln Almosen für sich selbst. Nachdem sich die drei im Schnee verirrt haben, treffen sie in einem verfallenen Bauwagen auf ein verarmtes Paar mit einem Baby. Ohne zu wissen warum, überlassen die selbsternannten Könige der Familie ihre gesamte Ausbeute. Mit leeren Händen, aber glücklich kehren sie nach Hause zurück. 

Geschrieben wurde das «Triptychon von den Heiligen Drei Königen» 1923 vom flämischen Schriftsteller Felix Timmermans (1886–1947). Nachdem der Sohn eines Spitzenhändlers anfänglich den Sinn des Lebens in Okkultismus und Spiritismus gesucht hatte, kam nach einer Krankheit die Wende: Timmermans veröffentlichte 1916 mit «Pallieter» sein bekanntestes Werk, in dem die Volksfrömmigkeit, aber auch die flämische Landschaft und ihre Bewohner eine grosse Rolle spielen. Das sollte sich in vielen seiner späteren Werke wie dem «Triptychon» wiederholen. Der Heimat-Schriftsteller war vor dem Zweiten Weltkrieg äusserst populär, führte ab 1928 zahlreiche Lesereisen nach Deutschland und in die Schweiz durch und trat bis 1939 in mehr als 140 Städten auf – oft sogar mehrfach.

War das der Grund, warum das Basler Marionetten Theater kurz darauf das «Triptychon» in sein Programm aufnahm? «Klar ist nur, dass damals Stücke mit mystischen, moralischen und/oder religiösen Aspekten sehr beliebt waren», sagt Markus Blättler, künstlerischer Leiter des Basler Marionetten Theaters.

Wie eine Zeitblase.

Seit 1945 wird das «Triptychon» nun jedes Jahr aufgeführt. Nur drei Mal gab es eine Ausnahme – so unter anderem 2020 wegen Corona. «Das Stück ist wie eine Zeitblase», meint Blättler. In rund 75 Jahren habe sich kaum etwas geändert: Anfänglich wurde der Weihnachtsklassiker noch von acht Figurenspielern, gleich vielen Sprechern und sechs Musikern aufgeführt. In den 60er-Jahren wurde der Ton dann auf Band aufgenommen und in den letzten Jahren digitalisiert. «Dadurch hört man heute immer noch die gleichen Stimmen wie damals», betont der künstlerische Leiter. Auch die Holzfiguren sind dieselben wie 1945: Ihr Schöpfer Richard Koelner, der Gründer des Basler Marionetten Theaters, verbot in seinem Testament jegliche Veränderungen oder Erneuerungen. Einzig die Gelenke als Verbrauchsmaterial dürfen ersetzt werden.

«Der Besuch des ‹Triptychons› ist für viele Menschen in Basel zu einer lieb gewonnenen Tradition geworden», so Blättler. Zwar sollte «Das Gottes Kind» in den 60er-Jahren als weiteres Weihnachtsstück etabliert werden, es verschwand aber schnell wieder aus dem Repertoire.

Nun wagt das Basler Marionetten Theater zumindest mit einer Produktion für Kinder einen neuen Versuch: «D Frau Holle macht Wienacht» ist eine Weihnachtsfassung des bekannten Grimm-Märchens.

«Triptychon»: Fr 17.12., Sa 18.12., So 19.12., Mi 22.12., Do 23.12., jeweils 20 h (So 15 h), Basler Marionetten Theater, www.bmtheater.ch

 

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