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Susanne Wyttenbach
V.S. aus Gattikon

 

Sowie zahlreiche weitere
anonyme Spenderinnen und Spender

 

Piet Mondrian, Composition with Yellow and Blue, 1932,
Öl auf Leinwand, 55,5 x 55,5 cm, Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler © Mondrian / Holtzman Trust c/o HCR International Warrenton, VA USA, Foto: Robert Bayer, Basel

ProgrammZeitung Online-Highlight Dezember 2021

Das Altern der Moderne verhindern

Heinz Stahlhut

Das «Piet Mondrian Conservation Project» der Fondation Beyeler widmet sich der Erforschung und Konservierung von sieben Mondrian-Gemälden.

Sie sind ein Muster an Ausgewogenheit und Harmonie: In den Gemälde des holländischen Künstlers Piet Mondrian (1872–1944), besonders in jenen seit den 1930er-Jahren, sind die weissen und farbigen Flächen und die waag- und senkrechten, schwarzen Balken in einem perfekt ausgewogenen Verhältnis. Sogar Signatur und Datierung sowie der meist schlichte, oft gestufte Lattenrahmen, der eine Kontinuität zwischen Bild und Umraum herstellt, tragen zu diesem Eindruck bei. Für Mondrian erhielt die Malerei in der modernen Gesellschaft einzig aufgrund dieser Veranschaulichung von Balance ihre bleibende Aktualität. So schrieb er schon 1917: «Trotz aller Unterschiedlichkeit im Ausdruck richtet sich bei fortschreitender Kultur des Geistes jede Kunst irgendwie auf die … Gestaltung von Gleichgewichtsbeziehungen: Gestaltet doch die Gleichgewichtsbeziehung am reinsten das Universale, die Harmonie, die Einheit, die dem Geiste eigen ist.»

Schäden feststellen.

Was aber tun, wenn diese perfekt ausgewogenen Kompositionen, bei denen jeder Millimeter bei der Erscheinung mitspricht, Brüche in der Malschicht aufweisen, Teile abgesprungen sind oder gar der originale Rahmen nicht mehr erhalten ist? Die Restaurierungs-abteilung der Fondation Beyeler widmet diesen und anderen Fragen im Zusammenhang mit Restaurierung und Konservierung dieser Ikonen der Moderne ein mehrjähriges Forschungsprojekt, das in die Ausstellung zum Frühwerk des Künstlers im 2022 mündet.

Die Fondation ist für ein solches Projekt geradezu prädestiniert, besitzt sie doch mit sieben Werken Mondrians nicht nur eine der umfangreichsten Samm-lungen von Werken des Niederländers in der Schweiz. Darüber hinaus lässt sich an den vorhandenen Werken aus den frühen 1910er-, über die 1920er- bis in die späten 1930er-Jahren exemplarisch die Entwicklung des für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts wegweisenden Malers ablesen: von den noch am Kubismus orientierten Gemälden mit spitzen Formen und gebrochenen Farbtönen hin zu den ikonisch gewordenen Kompositionen in Primärfarben und strengen Liniengerüsten.   

Schritte unternehmen.

Am Beginn des 2019 begonnenen «Piet Mondrian Conservation Project» stand die Analyse der Gemälde mit nicht invasiven Techniken wie Röntgenstrahlen und anderen Bildgebungsverfahren, die Vorzeichnungen und Korrekturen sichtbar machen und damit auch Aufschluss über den Schaffensprozess liefern. Durch mikroskopische Materialproben wird die Eigenart von Leinwand, Pigmenten und Bindemitteln bestimmt. Da auch die Wahl der Materialien eine wichtige künstlerische Entscheidung darstellt, kann so letztlich das schöpferische Vorgehen Mondrians in seiner Gesamtheit begriffen werden. 

Nach diesen grundlegenden Untersuchungen sollen alterungsbedingte Veränderungen festgestellt werden, um so eine Prognose über den weiteren Verlaufs zu geben und Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie dieser im besten Fall reversibel aufzuhalten wäre. Einen wichtigen Teil des Projekts stellt die Recherche nach der ursprünglichen Rahmung der Bilder sowie deren Rekonstruktion dar; dabei sollen Rahmungs- und Verglasungstechniken eingesetzt werden, die hinsichtlich konservatorischer und Präsentationsstandards auf der Höhe der aktuellen Kenntnisse sind. 

All dieses geschieht in engem Kontakt mit Spezialisten von anderen Museen mit bedeutenden Mondrian-Sammlungen, so vor allem dem Kunstmuseum Den Haag, das seit Mitte des 20. Jahrhunderts die weltweit grösste Mondrian Sammlung zusammengetragen hat und daher über unschätzbares Wissen über das Schaffen dieses Künstlers verfügt.

Wissen teilen.

Zentral für das Projekt ist es, nicht nur vom Wissen Anderer zu profitieren, sondern die im Projekt erworbenen Kenntnisse mit anderen Restauratorinnen und Restaura-toren zu teilen, um so mit der Zeit einen umfassenden, gemeinsamen Wissenspool herzustellen. Doch auch das Laienpublikum soll vom Projekt profitieren: Durch die von aussen einsehbare Werkstatt kann das Publikum noch bis Ende Jahr Einblick in die Arbeit des Restaurators gewinnen. Dass La Prairie, eine weltweit agierende Firma für Luxushautpflege, das Projekt unterstützt, dem Altern der Moderne Einhalt zu gebieten, ist so stimmig wie amüsant.

Fondation Beyeler, «Piet Mondrian Conservation Project»,
2019–2021: www.fondationbeyeler.ch

 

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