Spenden-Tafel

 

 

Stiftung für Medienvielfalt

 

BLKB Jubiläumsstiftung

 

 

Privatpersonen
A.B. aus Kaiseraugst
Anne-Käthi Wildberger
Armin Vogt aus Basel
Atelier für Arbeiten mit Stein
Atelier Gillmann + Co GmbH
B.A. aus Basel
B.K. & B.K.
Balz Raz
Beat Lehmann aus Basel
C. Speitel
C.M. & A.M.
Christian Sutter-Lukanow
D.D. aus Basel
Elisabeth Tschudi-Moser
Eva Herzog
Franziska von Blarer
Hans Furrer
Heiner Dalcher
Heinz Stahlhut
J. Finsterwald
Jürg Ewald
L.B. aus Basel
Linde & Martin Meneghin
M.G.
M.M aus Basel
Marianne Mattmüller
Mathias Bonert
P. Jaccoud
P.S. aus Basel
Regula Rappo-Raz aus Basel
S. Kubli Fürst
S. Scherrer & Benedikt Marzahn
S. Strub aus Basel
S.J. & M.J. aus Therwil
Susanne Wyttenbach
V.S. aus Gattikon

 

Sowie zahlreiche weitere
anonyme Spenderinnen und Spender

 

 

ProgrammZeitung aus dem Septemberheft 2022, S. 18/19

Aus Basler Schreibstuben

Kulturschaffende aus der Region – darunter Autoren, die auch für die ProgrammZeitung tätig waren oder sind – haben im ersten Halbjahr 2022 neue Bücher für Gross und Klein präsentiert.

 

Feinsinnige  Weltbetrachtungen

Dagmar Brunner

Ein anregendes Sammelsurium unterschiedlicher Texte findet sich in Walter Beutlers neuem Buch «Bevor mir die Worte ausgehen». Was bereits im Titel anklingt, ist Thema vieler seiner Reflexionen: das Abschiednehmen. Schon früh war der Autor (geboren 1956) damit konfrontiert, da er mit drei Jahren an Kinderlähmung erkrankte. Doch trotz Einschränkungen liess er sich nicht behindern und führt mit Rollstuhl bis heute ein weitgehend autonomes Leben. Er war viel unterwegs, verfasste auch einen eindrücklichen Bericht über seine Indienreise, machte Strassenmusik, studierte, erwarb ein Übersetzerdiplom, arbeitete als Lektor und Korrektor. Seit seiner Jugend schreibt er, liefert Beiträge für diverse Organe, ist ein begeisterter, auch politisch wacher Blogger. In seinem Buch gibt er in sieben Kapiteln mit sorgfältig formulierten Kurztexten gehaltvolle und bewegende Einblicke in sein reiches Innenleben und seine kritisch-optimistische Weltsicht.

Walter Beutler, «Bevor mir die Worte ausgehen. Ausgewählte Texte der letzten zwanzig Jahre»: BoD, 2022. 132 S., gb., CHF 25, Bezug über walter.beutler@bluewin.ch

 

Eine Puppe wird selbstständig

Sabine Knosala

Wie wäre es weitergegangen? Das fragt man sich oft nach einer Geschichte. Die Autorin Ursula Pecinska (Jahrgang 1947) aus Blauen greift genau diese Idee auf: Sie hat eine Fortsetzung des berühmten Theaterstücks «Nora oder ein Puppenheim» des Norwegers Henrik Ibsen von 1879 geschrieben. Darin fälscht Nora eine Unterschrift, um ihrem kranken Ehemann eine Reise in den Süden zu ermöglichen, durch die er wieder gesund wird. Das dunkle Geheimnis kommt jedoch ans Licht und Noras Mann rastet aus, weil er sich um seine Ehre sorgt. Darauf verlässt Nora ihn und die Kinder. 

Pecinskas Roman setzt genau hier an: 20 Jahre später schreibt Leonora, wie sie sich neu nennt, wie sie sich nach der Trennung im englischen Manchester ein neues Leben aufgebaut hat – nicht mehr als irgendjemandes Puppe, sondern selbstständig durch die Kraft der Freundschaft und eine sinnvolle berufliche Tätigkeit. 

Sensibel und sprachlich gekonnt lässt uns Pecinska in die Seele ihrer Protagonistin blicken und berichtet ganz nebenbei von den grossen sozialen Umwälzungen Ende des 19. Jahrhunderts wie der Frauen- und der Friedens-bewegung. Eine wahrlich gelungene Fortsetzung!

Ursula Pecinska, «Leonora – Eine Überfahrt»: Roman, Edition sacré, Zürich, 2022. 120 S., br., CHF 18, www.edition-sacre.ch

 

 

Packendes Zeitpanorama

Dagmar Brunner

Tief in die Vergangenheit ist auch Catherine Meyer (geboren 1965) eingetaucht. In ihrem ersten historischen Roman «Beben über der Reuss» schildert sie anschaulich ein Frauenleben in dem von grossen Umbrüchen gekennzeichneten 16. Jahrhundert. Zentraler Schauplatz ist der Muri-Amthof in Bremgarten, der einst zum Kloster Muri gehörte. Dort lebte und wirkte die ehemalige Nonne Anna Adlischwyler mit ihrem Mann, dem Pfarrer Heinrich Bullinger, der später Nachfolger von Zwingli am Zürcher Grossmünster wurde. Kenntnisreich und einfühlsam erzählt die Autorin und Pädagogin von den Machtkämpfen zwischen Alt- und Neugläubigen (Katholiken und Refor-mierten), von Krieg und Pest, von gebildeten Frauen und klugen Männern, von Freundschaft und Solidarität. In kleinen Parallelkapiteln steuert sie eigene Erinnerungen an den Muri-Amthof bei, wo sie teilweise aufgewachsen ist. Ein erhellendes Buch über Schweizer (Kirchen-)Geschichte und den weiblichen Anteil daran.

Catherine Meyer, «Beben über der Reuss»: Historischer Roman,
eFeF-Verlag, 2022. 340 S., gb., CHF 32, www.efefverlag.ch
Lesung: So 4.9., 15 h, Internationaler Lyceum Club,
Münsterplatz 17, Basel

 

Ein Traum wird wahr

Iris Kretzschmar

Allein hinter Gitterstäben und das schlammige Wasserloch lädt so gar nicht zum Bade: Da wächst die Sehnsucht nach Freiheit ins Unermessliche. Schon lange träumt das kleine Nilpferd vom grossen Fluss unter weitem Sternenhimmel. Eines Tages fasst es sich ein Herz, nimmt alle Kraft zusammen, stürmt über die Barrikaden, rennt durch Strassen und Wälder bis zum Meer. Wie wohltuend ist doch der Sprung ins kühle Nass und wie freundlich die anderen Tiere. Als der Mond aufgeht, hebt eine Herde von Flusspferden den Kopf aus den Fluten und begrüsst den Neuling aus dem fernen Land. Endlich angekommen: Nil, Nil, ich bin da!

Eine wundersame Kindergeschichte, die Mut macht auszubrechen, um das wahre Leben zu suchen. Der Text der Jugendliteraturpreisträgerin Jutta Richter ist unterlegt mit poetischen Bildern der Basler Illustratorin und Grafikerin Petra Rappo (Jahrgang 1969). Übrigens: Das Bilderbuch wurde vom Deutschlandfunk zu den besten sieben Büchern für eine junge Leserschaft im August gekürt.

Text Jutta Richter, Bilder Petra Rappo, «Nil, Nil, ich komme!»: Bilderbuch, ab 4 Jahren, Carl Hanser Verlag, München, 2022. 40 S., CHF 22.90, www.hanser-literaturverlage.de

 

 

Kunst-, Koch- und Reisebuch

Dagmar Brunner

Wer Fleisch und kulinarische Experimente schätzt, gerne unterwegs ist oder gute Geschichten liebt, wird das neue Buch von Samuel Herzog (geboren 1966) mögen. Gleich im Untertitel wird klar, worum es geht: «Eine Reise auf den Spuren eines Metzgermeisters aus Lemusa und diverser Innereien aus der Schweiz». Lemusa ist eine Insel, die der Autor vor über 20 Jahren ins Leben gerufen hat und seither mit sprühender Fantasie bevölkert sowie in Publikationen, Museen und im Internet vorstellt. Nun verbindet er Tagebuchnotizen des lemusischen Metzgers Tartarieu Seugrem (dessen Namen auch rückwärts an Fleisch-produkte erinnert), der 1884 mit einem

Begleiter das Land seiner aus Luzern stammenden Mutter erkundet, mit eigenen Wandererlebnissen 140 Jahre später. Kochrezepte und Blumenskizzen, Zeichnungen und Fotos runden die köstliche Lektüre ab, die durch
18 Regionen der Zentralschweiz und ins Innerste von Schlachttieren führt.

Samuel Herzog, «Bei Vollmond ist das ganze Dorf auf den Beinen»: Edizioni Periferia, 2022. 124 S. mit Abb., kt., CHF 15, periferia.ch

Mehr zu Lemusa: www.hoio.org

 

«Amboss oder Hammer sein»

Verena Stössinger

Clara Felshag hat «das ganze so scheusslich missratene
20. Jahrhundert» erlebt, vom Kaiserreich bis zur Wende; drei Ehen, vier Kinder, viel Anpassung. War sie nur «Amboss»? Und was bleibt von ihrem Leben? Das fragt sich Roman, der sie bewundert und weiss, dass eine Biografie ihr und der Zeit nicht gerecht würde. 

Er erfragt die Lebensgeschichten ihrer Angehörigen und Valentin Herzog (Jahrgang 1941) zeichnet diese in seinem Mosaik--Roman genau und kundig nach. Sichtbar werden unterschiedliche Menschen, die alle etwas Exemplarisches haben; doch es sind nicht nur diese historischen Bohrkerne, die den Text tragen. Es ist eine tiefe Emotion. Clara wird durch eine von Romans Gesten an 1944 erinnert, als sie einem Flüchtling (oder Deserteur?) begegnete; das weckt in der nun bald Sterbenden etwas wie Liebe zum so viel jüngeren Wiedergänger. Und berührt.

Valentin Herzog, «Zeitscherben oder die aufgehobene Zeit»:
Roman, IL-Verlag, Basel, 2022. 220 S., CHF 24, www.il-verlag.com

 

Poetische Peinlichkeiten

Dagmar Brunner

Dem «Geist der Peinlichkeit» war Birgit Kempker auf der Spur. Zahlreiche Missgeschicke hat sie in Dialogform selbstkritisch befragt. Der Reiz des Bandes ist die poetische Kraft der Autorin (geboren 1956), die mit Prosawerken und Hörstücken bekannt und vielfach ausgezeichnet wurde und derzeit in Baden auch als Zeichnerin zu entdecken ist. Ihr Buch verrät breite kulturelle Interessen, spiegelt Zeitgeist und -geschehen, thematisiert mit zum Teil schmerzhafter Schärfe familiäre und körperliche Bürden. Und es enthält etliche wunderbare Formulierungen und Wortfindungen wie Trostjunkie, Unblume, Festkralldüse, Herzschutz, Hirndreck oder Buchstabenclown. Peinlich ist etwa, bedingungslos verstanden werden zu wollen, auf falschen Entscheidungen zu hocken, Aussenseiter oder faul zu sein, für ein Opfer gehalten zu werden oder nichts fürs Glück zu tun. Dass der einst peinlich freche Hippie heute lieber ein Alien als eine ältere Dame sein will, ist jedenfalls ein Lichtblick.

Birgit Kempker, «Geist der Peinlichkeit»: Neue Sammlung 10,
Engeler Verlag, Schupfart, 2022. 202 S., kt., CHF 18, 
engeler-verlage.com

Ausstellung: bis So 4.9., Museum Langmatt, Baden, www.langmatt.ch 

 

Kuriose G’schichten

Dagmar Brunner

Ein Himmel voller Bassgeigen ziert das Cover des neuen Buches von Christopher Zimmer. Unter dem Titel «Concerto Grosso» hat er eine Fülle meist kurzer Texte aus seiner «kreativen Schuhschachtel» versammelt, dem Kleinstverlag Piepmatz. Dieser besteht seit gut 40 Jahren und beinhaltet eine breite Palette von Poesie und Prosa. Ihr Autor ist ein lustvoller Fabulierer mit einem grossen Herzen für Käuze aller Art. Seine heiteren, skurrilen und abgründigen Beobachtungen, Gedanken und Geschichten – etwa von drei kühnen Hühnern – sind erfrischender Lesestoff. Christopher Zimmer (geboren 1959) schreibt Fantasy-Romane und Erzählungen für Gross und Klein sowie Texte für verschiedene Medien. Tolkiens «Der Herr der Ringe» war für ihn «ein Augenöffner», aber auch Werke von Eugen Roth, Heimito von Doderer, Ringelnatz und Morgenstern haben ihn inspiriert. Als Musikliebhaber schreibt er zudem Libretti für verschiedene Ensembles und tritt als Sprecher auf.

Christopher Zimmer, «Concerto Grosso. Geschichten und Allotria»: BoD, 2022. 156 S., gb., CHF 27.90. Auch als E-Book lieferbar, www.bod.ch

Ausserdem: Zum 75. Geburtstag von Rudolf Bussmann: Lesung, Performance, Gastbeiträge, Mi 31.8., Literaturhaus Basel, www.literaturhaus-basel.ch

Literatur Openair Basel: mit Catalin Dorian Florescu,
Joachim B. Schmidt und Lara Stoll, So 4.9.,14 h, Schmiedenhof, www.stadtbibliothekbasel.ch

 

 

 


Highlights

Highlight Dezemberheft 2022

Plädoyer für einen gesunden, 
respektvollen Ballettunterricht

Die Enthüllung der Missstände an der Ballettschule Theater Basel hat die Region erschüttert.

Highlights

Highlight Dezemberheft 2022

Ein Jahrhundert Rundfunk

Das Radio ist aus dem Alltag kaum mehr wegzudenken. Das ist seine Geschichte in der Schweiz.

 

Highlights

Highlight Dezemberheft 2022

Stimme der Region

Programmleiter Benjamin Bruni erklärt,
mit welchen Themen er sich aktuell bei Radio Basilisk auseinandersetzt.

 

Highlights

Highlight Dezemberheft 2022

Herz & Schmerz

Das Junge Theater Basel präsentiert
einen Abend mit Liebesliedern – und denkt kritisch über deren Inhalte nach.

 

Highlights

Highlight Novemberheft 2022

«An einem Literaturfestival werden Entdeckungen gemacht»

Marion Regenscheit hat die Leitung der BuchBasel übernommen. 

Highlights

Highlight Novemberheft 2022

Neue Töne zum 25-Jährigen

Basels wohl harmonischste Dreiecksbeziehung feiert ihr
Silbernes.

Highlights

Highlight Novemberheft 2022

Auf den Spuren eines Multitalents

Ein bedeutender Schweizer Filmpionier kommt zu späten Ehren: François-Henri Lavanchy-Clarke.

Highlights

Highlight Oktoberheft 2022

Musique intime

Hauskonzerte sind ein besonderer Genuss,
etwa die von Samuel Kopp.

Highlights

Highlight Oktoberheft 2022

Tanzend für Nachhaltigkeit
sensibilisieren

Reconnecting Circles will im Kulturhaus Elys Bewegung, Begegnung, Kultur und Nachhaltigkeit zusammenbringen. 

Highlights

Highlight Oktoberheft 2022

Tagebuch aus der Ukraine

Die Baslerin Judith Schifferle hat vom 2.
bis 4. September am internationalen Lyrik-treffen «Meridian Czernowitz» in der Ukraine teilgenommen.