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Foto: abezikus

ProgrammZeitung aus dem Dezemberheft 2022, S. 16

Plädoyer für einen gesunden, 
respektvollen Ballettunterricht

Sabine Knosala

Die Enthüllung der Missstände an der Ballettschule Theater Basel hat die Region erschüttert. Ana Lopez (50) aus Basel, ehemalige Profi-Ballett-Tänzerin und selbst Ballettlehrerin, macht sich stark für eine zeitgemässe Form von Ballettausbildung.


Was ging Ihnen durch den Kopf, als Sie die Recherchen von Bajour und NZZ am Sonntag gelesen haben?
Ana Lopez: Ich bin einerseits froh, dass diese Diskussionen nach dem Kunstturnen und Synchronschwimmen nun auch im Ballett geführt werden. Andererseits macht es mich traurig, dass es in der Öffentlichkeit zu einer verzerrten Wahrnehmung des Balletts kommt.   

Auf der ProgrammZeitungs-Redaktion haben sich Frauen gemeldet, die an der Ballettschule Theater Basel Ähnliches erlebt haben. Wie war das bei Ihnen in der Ausbildung?
Als Kind durfte ich in Winterthur viele Jahre unbeschwert und glücklich im Kindertanztheater von Claudia Corti mitwirken und habe da am Anfang meiner Karriere eine magische Tanzwelt jenseits von all den zuletzt medial erhobenen Vorwürfen erlebt. Auch meine Zeit an der Ballettschule des Opernhauses Zürich habe ich als positiv in Erinnerung. 
Als ich dann mit 15 Jahren an der Ballettschule der Ham-burgischen Staatsoper meine professionelle Ballett-ausbildung fortsetzte, veränderte sich vieles: So verglich man uns beispielsweise mit den dicken Frauen auf den Gemälden von Rubens. Zudem war das Gewicht ein grosses Thema. 

Was hat das mit Ihnen gemacht?
In der Pubertät verändert sich der weibliche Körper sehr stark, was auch psychisch fordernd ist. Ich habe die Ballettschule in Hamburg abgebrochen und ein Jahr lang im Pflegeheim gearbeitet. Das hat vieles, was ich in Hamburg erlebt habe, wieder relativiert. Anschliessend setzte ich die Ausbildung am Opernhaus Zürich fort. Ich habe dort mein damaliges «Übergewicht» (drei Kilo, Anmerkung der Redaktion), das eigentlich nur Ausdruck der körperlichen Veränderungen einer jungen Frau war, mit Technik wieder wettgemacht. 

Sie haben mehr als 20 Jahre als Profitänzerin gearbeitet. Wie haben Sie die Stimmung in der Branche wahrgenommen?
Die Situation unterscheidet sich von Land zu Land, von Theater zu Theater. Wie auch in anderen Branchen hängt viel von einzelnen Personen ab. Es ist aber schon so: Die Ausbildung zur professionellen Balletttänzerin ist hart, und von den Tänzerinnen und Tänzern wird physisch und psychisch enorm viel verlangt. Es gibt nur wenige Plätze in den Compagnien weltweit. Entsprechend herrschte zu meiner Zeit ein extremes Konkurrenzdenken. Ich kam am Anfang nicht damit klar, verliess meine erste Compagnie und ging nach Mailand, widmete mich dem Pilates und tanzte in der freien Szene. Auf Dauer fehlte mir jedoch das Theater. Ich tanzte überall vor, stiess aber aufgrund meines Körperbaus auf Ablehnung. Als ich bereits aufgeben wollte, erhielt ich am Theater in Braunschweig doch noch einen Vertrag.  

Wie sind Sie mit dem Druck umgegangen?
Während 14 Jahren war ich Mitglied der Compañia Nacional de Danza in Madrid unter der Leitung von Nacho Duato: In dieser Zeit hatte ich das Glück an den grössten internationalen Tanzfestivals und auf den renommiertesten Tanzbühnen aufzutreten und mit den bekanntesten Choreografen zusammenzuarbeiten, davon viele Jahre als erste Solistin. 
Schwierig wurde es erst, als ich schwanger wurde und mich entschied, das Kind zu behalten. Das war damals nicht möglich, und man hat mich aufgefordert, die Compagnie zu verlassen. Ich habe dafür gekämpft, bleiben zu dürfen, was letztlich auch geklappt hat. Aber emotional war dies damals ein unglaublicher Druck.

Die Frauen, die sich an mich gewandt haben, reden von grosser Angst in der Branche, um ja nicht negativ aufzufallen. Können Sie das bestätigen?
Ja, das ist sicher so. Da die Konkurrenz so gross ist, möchte niemand seine Karriere gefährden. Auch war es in der Vergangenheit so, dass einzelne Personen im Ballett grossen Einfluss hatten und mehr oder weniger über deine Karriere entschieden haben. Es gibt Leute, die verant-wortungsvoll mit dieser Machtposition umgehen und andere, die das nicht tun. 

Der Basler Grosse Rat hat im November aufgrund der Medienberichte eine Finanzhilfe für die Ballettschule Theater Basel abgelehnt. Was sagen Sie zu diesem Entscheid?
Wenn man etwas zum Positiven verändern möchte, ist dies sicherlich der falsche Weg. Nun lastet auf den Mädchen, die etwas Kritisches gesagt haben, der Druck, dass wegen ihnen Unterstützungsgelder abgelehnt wurden. Zudem wird die Ballettausbildung als Ganzes infrage gestellt. Wichtig erscheint mir, dass man nun, wie bereits in Zürich, die Vorkommnisse verantwortungsvoll und professionell aufarbeitet und einen konstruktiven Ballettunterricht fördert. Das Ballett hat sich weiterentwickelt, steht in anderen Ländern an einem ganz anderen Punkt. 

Sie haben Ihre aktive Karriere mit 42 Jahren beendet und geben seither Ballettstunden. Auf was achten Sie in Ihrem Unterricht?
Ich weiss durch meine jahrelange Erfahrung, dass es möglich ist, auch auf professionellem Niveau gesund mit Schülerinnen und Schülern zu arbeiten. Respekt, Würde und Menschlichkeit sind für mich die Grundvoraussetzung. Ich bin überzeugt davon, dass sich wahre Kreativität und Kunst erst in solch einer konstruktiven Arbeitsumgebung entfalten können. 
Bei den Kindern ist es mir ein grosses Anliegen, dass sie in erster Linie Freude am Tanz haben. Denn: Nur die wenigs-ten werden später mal Profitänzerinnen und -tänzer. Auch alle anderen sollen das Ballett später positiv in Erinnerung behalten.  

Kann es gesundes Ballett geben?
Ja, Ballett kann gesund sein! Als Balletttänzerin bin ich mit der Beanspruchung sämtlicher Muskeln vertraut. Dieses Wissen und meine langjährige Erfahrung gebe ich weiter. 
Viele Erwachsene haben nach dem Training weniger gesundheitliche Probleme. Eine 70-jährige Schülerin hat mir beispielsweise berichtet, dass sie jetzt viel beweglicher ist und besser in den Ecken putzen kann (lacht).

Was erwarten Sie jetzt von der Politik?
Es ist nicht an mir zu fordern: Die Verantwortlichen in der Politik und in den Behörden haben eine Verantwortung und Aufsichtspflicht, die sie gesetzlich wahrnehmen müssen. Persönlich wünsche ich mir in der aktuellen Diskussion rund um das Ballett mehr Fachkompetenz und echtes Interesse für diese Sparte – auch von der Politik. Es melden sich derzeit viele Personen zu Wort, die nicht wirklich viel von Ballett verstehen. Es ist nun im Interesse der Kinder und Jugendlichen, dass die Vorwürfe sorgfältig abgeklärt und aufgearbeitet werden. Einfach den Geldhahn zuzudrehen ist keine Lösung.

In der Öffentlichkeit wurde der Ruf laut, doch einfach das Ballett zu boykottieren ...
Das macht mich wirklich wütend und wird dem Ballett als Kunstform nicht gerecht. Gleichzeitig wird damit auch die Arbeit von unzähligen Menschen diskreditiert, die sich seit Jahrzehnten positiv und konstruktiv für das Ballett und die jungen Menschen einsetzen. Es ist wichtig, dass man das Ballett ernst nimmt und in Zukunft auf einen Unterricht achtet, der gesunde und glückliche Tänzerinnen und Tänzer hervorbringt. 

 

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