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Esther Roth, Leiterin Amt für Kultur Basel-Landschaft,
Foto: Matthias Willi

ProgrammZeitung aus dem Januarheft 2021, S. 6/7

«Die Institutionen im Baselbiet sind näher zusammengerückt» 

Sabine Knosala

Seit einem Jahr leitet Esther Roth das Amt für Kultur Basel-Landschaft. Ein Gespräch mit der 41-Jährigen über ihre Erfahrungen in der neuen Funktion, die kulturellen Eigenheiten des Baselbiets und die Herausforderungen durch die Pandemie.  


Seit einem Jahr hat das Amt für Kultur Basel-Landschaft eine neue Struktur. Wurde dadurch die Position der Kultur im Kanton gestärkt?
Esther Roth: Es ging bei der Neuorganisation vor allem darum, das Amt für Kultur mit einer Führungsstruktur auszustatten, die den stetig steigenden Anforderungen an die Dienststellenleitung angepasst ist. Das ist gelungen, und viele Prozesse konnten bereits in den ersten Monaten merklich verbessert werden.

Haben Sie durch Ihre neue Funktion mehr Handlungsspielraum?
Wir gewinnen an Tempo und Flexibilität, können Projekte besser priorisieren und Prozesse gezielter steuern. Das klingt nun nicht gerade sehr sinnlich, ist aber extrem wichtig, damit unsere Teams gut arbeiten können. 

Sie sind im Kanton Bern aufgewachsen, haben in Zürich und Basel-Stadt gewohnt und sind jetzt im Kanton Basel-Landschaft zu Hause. Wie nehmen Sie die Baselbieter Kulturszene im Vergleich zu derjenigen in anderen Kantonen wahr?
Wir haben die Römer, die Burgen, die fantastischen Seidenbandsammlungen, Carl Spitteler und einen aussergewöhnlichen Reichtum an lebendigen Traditionen. Dadurch haben wir eine Vielfalt an Geschichten, die ein grundlegendes Verständnis dafür fördern, dass schon immer alles im Wandel war. Daraus ergibt sich allerdings keine homogene erzählbare Identität.
Wir versuchen, den kulturellen Akteurinnen und der Bevölkerung zu vermitteln, dass wir das Baselbiet vor allem als Kanton begreifen, der für eine enorme Vielfalt steht, und dass wir diese Zuschreibung sehen und fördern wollen.

Als Sie im Februar 2016 als Leiterin von Kulturelles.bl anfingen, attestierten Sie dem Baselbieter Kulturschaffen «mangelndes Selbstverständnis» und «ungenügende Sichtbarkeit». Würden Sie das heute auch noch sagen?
Nein. Das Selbstvertrauen der Akteurinnen wurde gestärkt und die Akzeptanz des Kulturschaffens über die Sparten und Bereiche hinweg, aber auch in der Politik, deutlich erhöht. Wir nehmen auch wahr, dass sich die Baselbieter Institutionen und Kulturakteurinnen zunehmend besser kennen und zu einem grösseren vielfältigen Ganzen zugehörig fühlen.

Was haben Sie dazu beigetragen?
Bereits 2017 haben wir mit der Kulturkarte die Antwort auf die – im Kontext der Kulturvertragsverhandlungen – oft gestellte Frage, ob es denn im Baselbiet überhaupt Kultur gebe, abschliessend beantwortet.
Weiter haben wir deutlich deklariert, dass alle Bereiche der Kultur und alle kulturellen Ausdrucksformen und Tätigkeiten gleichermassen relevant für eine Gesellschaft sind, und wir haben gleichzeitig transparent aufgezeigt, dass für die so unterschiedlichen Bedürfnisse auch unterschiedliche Massnahmen nötig sind.  

Das heisst konkret?
Im professionellen Kulturschaffen braucht es finanzielle Mittel, damit die Profis produzieren und auswerten können. Was zählt, sind die Ergebnisse. Diese müssen konkurrenzfähig sein, von hoher Qualität, und sie müssen sich durchsetzen können. Die Messlatte ist hoch und die Gesuchseingabe anspruchsvoll, was bei den hohen Summen auch gerechtfertigt ist.
Im Bereich der lebendigen Traditionen benötigen wir hingegen weniger Geld, dafür müssen wir Zeit investieren und gut zuhören, welche Bedürfnisse an uns herangetragen werden. Daraus ergibt sich zum Beispiel eine punktuelle Defizitdeckungsgarantie, damit die Trachtenvereinigung 2000 rote Strümpfe bestellen kann. Denn ohne rote Strümpfe gibt es keine Baselbieter Festtracht. 

Bei Ihrem Stellenantritt im Kanton Basel-Landschaft wollten Sie sich dafür einsetzen, dass die bereits beschlossenen Sparmassnahmen der Regierung «einen guten Weg nehmen». Ist Ihnen das gelungen?
Ja. Die Situation hat sich beruhigt. Wir haben in allen Sparten grosse Fortschritte erzielt – sowohl im Projekt- und Produktionsförderbereich als auch im institutionellen Bereich. Nicht nur über Mittelerhöhungen, sondern auch durch Priorisierungen und eine klare Kommunikation.
Zudem haben zwei wichtige Institutionen relevante Entwicklungsschritte machen können. So erfolgt im März der Spatenstich für den Neubau des Kunsthauses Baselland, und das Marabu in Gelterkinden steckt bereits mitten in der Sanierung. Zwei wichtige Anker der kulturellen Infrastruktur werden so auch für die Zukunft gefestigt.

Seit bald zwei Jahren schüttelt Corona die Kulturlandschaft durch. Arbeiten Sie in der Krise stärker mit Basel-Stadt zusammen oder schaut jetzt jeder für sich?
Gerade zu Beginn der Krise hat sich der ohnehin enge Austausch mit Basel-Stadt intensiviert – ganz besonders
in Bezug auf die Unterstützungsmassnahmen im Rahmen des Covid-19-Gesetzes. Dies war nicht nur zwischen
den beiden Basel, sondern generell zwischen allen Kantonen und insbesondere zwischen den Kantonen der Nordwestschweiz so.
Als Zürich und Basel-Stadt ihre jeweiligen Sonderwege beschritten, haben wir uns vor allem mit den Kantonen Aargau und Solothurn abgeglichen, die beide sehr ähnliche strukturelle Voraussetzungen haben.

Wie sieht es punkto Corona-Unterstützung von Basler Kulturbetrieben aus?
Seit Beginn der Kulturmassnahmen trägt der Kanton
Basel-Landschaft die Hälfte der Ausfallentschädigungen von baselstädtischen Kulturinstitutionen, die aus der Kulturvertragspausschale alimentiert werden. Transformationsprojekte von gemeinsam geförderten Trägerschaften unterstützen wir ebenfalls zusammen. 

Der neue Kulturvertrag sieht vor, dass Baselland ab 2022 dem Stadtkanton jährlich 9,6 Millionen Franken für kulturelle Zentrumsleistungen überweist, was dem Status quo entspricht. Sind Sie mit diesem Ergebnis zufrieden?
Der neue Kulturvertrag und die Entflechtung der kulturellen Infrastruktur sind ein Ergebnis von politischen Verhandlungen der Regierungen der beiden Kantone.
Der Grosse Rat hat dem neuen Kulturvertrag mit einer starken Mehrheit und der Landrat dem Kulturvertrag und dem Kulturkonzept sogar einstimmig zugestimmt.
In keinem der beiden Kantone wurde anschliessend das Referendum ergriffen.
Wer hätte 2015 darauf gewettet, dass eine Lösung gefunden wird, die eine solche Zustimmung erfährt? 

Was beschäftigt die Baselbieter Kulturschaffenden
aktuell am meisten?

Viele haben die Pandemie als riesigen Schock wahr-genommen, der extreme Ängste auslöst. Wir wissen, dass es sehr lange nicht mehr so wird, wie es vor der Pandemie war. Vielleicht wird es nie mehr so. 

Was machen wir also mit dieser bedrohlichen Aussicht? Das, was die Kultur am besten kann: improvisieren, reflektieren, Szenarien entwickeln und solidarisch sein. Die Institutionen im Baselbiet sind näher zusammengerückt, weil allen bewusst ist, dass sie einen Teil der kulturellen Infrastruktur des Kantons verantworten und die Krise überstehen wollen. Der Kanton, die Gemeinden, die subventionierten Häuser, die Gemeindebibliotheken und die Ortsmuseen. Alle haben voneinander gelernt. Das ist sehr eindrücklich.

Welchen künstlerischen Einfluss hat die Pandemie auf
das kulturelle Angebot?
Es gibt erst wenige Werke, die sich direkt mit der Pandemie beschäftigen. Viele Produzierende sind noch mit den alten, verschobenen oder noch nicht einmal fertig gestellten Produktionen beschäftigt. Der Produktionsstau ist riesig. Zudem befinden wir uns ja noch mitten in der Krise. Einige Kulturschaffende sind schon sehr aktiv, andere blockiert der aktuelle Zustand noch. Es wird sehr interessant sein, wie sich die Künstlerinnen und Künstler verschiedener Sparten mit dem Thema auseinandersetzen. Diesbezüglich erwarten uns extrem spannende Jahre.

Wird die Coronakrise die Kulturlandschaft ausdünnen? Gibt es nachher weniger Kulturbetriebe als vorher?
Die aktuelle Situation ist für alle Kulturschaffenden und alle Kulturinstitutionen eine riesige Herausforderung und bringt Einschränkungen mit sich. Der Kulturbereich wird aber seit Beginn der Pandemie von Bund und Kantonen mit Ausfallentschädigungen und angepassten Förderformaten unterstützt. Einnahmeausfälle werden dadurch zu einem grossen Teil kompensiert.
Wichtig ist jedoch, dass sich Institutionen jetzt trans-formieren und ihre Angebote und Finanzierungsmodelle überdenken. Sollte das Publikum länger nicht im gleichen Masse zurückkehren wie vor der Krise, werden wir hier grossen Problemen gegenüberstehen.

Als Leiterin des Amts für Kultur müssen Sie an vielen Vernissagen, Premieren oder Eröffnungen anwesend sein. Welche Kulturveranstaltungen besuchen Sie privat am liebsten?
In der Region Basel fühlt sich für mich aufgrund meiner Funktion kein Besuch von kulturellen Veranstaltungen ganz privat an. Ich war aber sehr traurig, dass Hélène Grimaud pandemiebedingt nicht einreisen konnte. Ich liebe ihre Konzerte. Ach, und ich habe ganz optimistisch Karten für die Foo Fighters im Joggeli gekauft. 

 

Zur Person und Funktion: 

Seit Januar 2021 hat das Amt für Kultur des Kantons Basel-Landschaft eine neue Führungsstruktur: Es wird durch eine Geschäftsleitung geleitet, um den zunehmend komplexeren administrativen Anforderungen durch mehr Ressourcen und Kontinuität gerecht zu werden.
Leiterin des Amts für Kultur ist seither Esther Roth:
Die 41-Jährige steht bereits seit Februar 2016 der Hauptabteilung Kulturelles.bl vor, die für die Kultur-förderung zuständig ist. Roth ist im Kanton Bern aufge-wachsen und war früher als freischaffende Kulturmanagerin sowie in diversen Kulturverbänden wie dem Rockförderverein Basel (RFV) tätig.
Zuvor war das Amt für Kultur während 25 Jahren nach dem Rotationsprinzip im Nebenamt von den Leitungen von Kulturförderung, Kantonsbibliothek, Kantonsmuseum, Kantonsarchäologie und Römerstadt Augusta Raurica geführt worden. Diese sind nun mehrheitlich in der Geschäftsleitung vertreten.

 

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